Das Kollektiv Researchgruppen macht in Schweden erfolgreich Jagd auf anonyme Trolle - zum Teil mit umstrittenen Methoden.

Näthat - das ist das schwedische Wort für Hass im Internet. Wir kennen die Schweden als sehr tolerante Menschen, offene Gesellschaft, trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen haben die Schweden ein massives Problem mit Näthat. Und an dieser Stelle setzt jetzt das Netzkollektiv "Researchgruppen" an, das große Datenmengen analysiert, um Trollen und rechten Hetzern im Netz auf die Spur zu kommen und ihre echten Namen zu veröffentlichen.

Namen in der Boulevardzeitung veröffentlicht

Einer der aufsehenerregendsten Fälle von "Researchgruppen" war die Analyse der rechtsextremen Website Avpixlat. Den Aktivisten gelang es über eine API-Schnittstelle, sämtliche Kommentare der rechtsextremen Seite auszulesen und mit E-Mail-Adressen in Verbindung zu bringen, die nur mangelhaft verschlüsselt waren. Mit diesen Daten gelang es den Aktivisten, die eifrigsten 6000 Kommentatoren zu identifizieren und diese Liste an "Expressen" weiterzureichen, eine große Boulevardzeitung in Schweden. Diese Aktion hat aber nicht nur Beifall geerntet, sondern auch viel Kritik, denn schließlich sei Anonymität im Netz ein wichtiges Gut.

"Bei uns verbietet sowas das Datenschutzgesetz – das schützt im Zweifel auch den freundlichen Extremisten von nebenan."
Martina Schulte, Netzautorin

"Researchgruppen" ist derzeit ein Team, das aus zehn Freiwilligen besteht, gegründet wurde das Kollektiv von Martin Fredriksson, einem ehemaligen Fernsehreporter. Der Technology Review berichtet, dass das Team sehr durchmischt ist - darunter ein Grundschul-Bibliothekar, der Portier eines Krankenhauses, ein Psychologie-Doktorand und einige Journalismus-Studenten.