Als Reemtsma-Entführer war Thomas Drach 1996 in den Schlagzeilen. Die Liste an Verbrechen des inzwischen 60-Jährigen ist lang. Nun steht er wieder vor Gericht.

Vom 1. Februar an muss sich Thomas Drach vor dem Kölner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Köln wirft ihm versuchten Mord, schweren Raub, gefährliche Körperverletzung, Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz sowie Urkundenfälschung und Brandstiftung vor.

Per Hubschrauber hat ihn die Polizei von der Justizvollzugsanstalt in Köln zum Landgericht gebracht, Straßen abgesperrt und rund um das Justizgebäude Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Der Angeklagte Thomas Drach 2011 im Gerichtssaal.
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Thomas Drach 2011 im Gerichtssaal

Geboren 1961 in Erftstadt bei Köln wächst er in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf – der Vater war leitender Angestellter eines Konzerns, die Mutter Sekretärin. Mit 13 wird Thomas Drach beim Autoknacken erwischt, er bricht seine KFZ-Lehre ab, mit 18 überfällt er eine Bank und mit 20 wandert er mit seinem Bruder ins Gefängnis, nachdem sie mit einem Auto die Fensterfront einer Sparkasse durchbrochen haben und Geld forderten. Nach sieben Jahren Haft kommt er frei. Danach wieder schwerer Diebstahl und Urkundenfälschung.

Psyche eines chronischen Schwerverbrechers

1996 entführte er den Hamburger Philologen, Sozialforscher und Erben einer Tabak-Dynastie: Thomas Drach lässt Jan Philipp Reemtsma nach 33 Tage frei, nachdem dessen Familie 30 Millionen D-Mark gezahlt hat. Danach sind Thomas Drach und seine Komplizen untergetaucht.

Die Komplizen sind wenige Zeit später in Spanien gefasst worden. Zwei Jahre später wird Thomas Drach in Argentinien gefasst und an Deutschland ausgeliefert. 2001 wird er zu 21 Jahren Haft verurteilt, kommt aber bereits 2013 wieder frei und taucht dann unter.

Gundram Knecht, Chefarzt in der forensischen Psychiatrie Hamburg-Nord, hat 2013 über Thomas Drach gesagt: "Er hat ganz starke antisoziale Persönlichkeitszüge, das heißt, er hat Schwierigkeiten Gefühle anderer einzuschätzen und er setzt sich über Regeln hinweg. Daran wird sich grundsätzlich nichts ändern."

Zu Thomas Drach gibt es mehrere psychiatrische Gutachten, schon früh wird ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert. Menschen mit dieser psychischen Störung haben ein doppeltes Selbstbild, erklärt Kriminalpsychologin Lydia Benecke. Sie haben einerseits ein sehr negatives Selbstbild aus ihrer Kindheit, dass sie mit einem extrem positiven Selbstbild im Erwachsenenalter überkompensieren.

"Sie sind sehr fixiert auf die eigenen Bedürfnisse und darauf, dass sie von anderen bewundert werden."
Lydia Benecke, Kriminalpsychologin

Die Gedanken von Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen drehten sich um sich selbst, seien aber auch in der Lage, wenig Mitgefühl mit sich zu zeigen, wenn es um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse gehe. "Sie glauben, dass ihnen Dinge zustehen, die anderen nicht zustehen, dass sie anderen Regeln setzen dürfen und Menschen auch manipulieren können, um das zu bekommen, was sie wollen", sagt Lydia Benecke.

Diese psychische Verfasstheit könnte erklären, warum Thomas Drach im Reemtsma-Fall nie Reue gezeigt hat und das auch als "Luxusentführung" bezeichnet. Vermutlich könnte das auch der Grund sein, warum Thomas Drach von seinem Bruder Schmerzensgeld in Höhe von 15 Millionen Euro und zusätzlich 15 Millionen Euro Verdienstausfall gefordert hat, weil sein Bruder bei der Polizei gestanden hat.