Für die Menschen in Hanau hat der rassistisch motivierte Anschlag vor genau einem halben Jahr alles geändert. Viele, die sich zuvor sicher und gut integriert gefühlt hatten, bemerkten auf einmal, dass Rassismus und Ungleichbehandlung auch sie betrifft. Ihnen hilft die Initiative 19. Februar und stellt auch Forderungen. Unter anderem nach härteren Regeln für den Umgang mit Waffen.

Am 19.02.2020 hat ein Attentäter in Hanau auf offener Straße und in einer Shisha-Bar neun Menschen erschossen. Er suchte sich seine Opfer gezielt unter Menschen mit ausländischen Wurzeln. Seine Taten waren deutlich fremdenfeindlich und rassistisch motiviert. Danach tötete der Mann seine Mutter und sich selbst.

Wie viele andere, hat diese Tat auch Seda Ardal tief getroffen. Sie ist in Hanau aufgewachsen und hat Verbindungen zu einigen der Toten. Um den Menschen, die in Hanau leben, zu helfen, gründete sie die Initiative 19. Februar Hanau. Die Gruppe setzt sich dafür ein, dass die Namen der Opfer nicht vergessen werden und dass es nicht bei folgenloser Betroffenheit bleibt. Die Initiative setzt auch beim Thema Waffenerwerb und Waffenbesitz an.

Vorwurf an die Sicherheitsbehörden

Eine der vielen offenen Fragen ist, wieso der Täter und Sportschütze trotz eines frühzeitig hochgeladenen Videoclips von den Sicherheitsbehörden nicht vor der Tat überprüft wurde. Seda Ardal sagt: "Der Mann hortete Waffen und Munition". Ihre Initiative fordert, dass "die wenigen Menschen, die in den Behörden sitzen und Waffenscheine ausstellen, ein bisschen genauer hingucken." Sie möchte erreichen, dass Schützen künftig ihre Waffen nicht mehr mit nach Hause nehmen dürfen.

"All diese Lücken und diese Fehler. Die Angehörigen haben selbst ermittelt und recherchiert."
Seda Ardal, Initiative 19. Februar Hanau

Für Seda Ardal ist es unerklärlich, dass ein halbes Jahr nach dem Anschlag noch so viele Fragen offen sind. Sie kritisiert den aktuellen Ermittlungsstand.

Sie sieht aber auch, dass die Menschen, die in Hanau leben, darunter leiden. Für sie hat sich ihr Leben fundamental geändert. Denn früher, so sagt sie, haben sich die meisten sicher und integriert gefühlt – auch wegen der langen Migrationsgeschichte der Stadt und der Region. Das habe sich nun gewandelt. Nun stellten viele erst fest, dass auch sie von Alltagsrassismus betroffen sind.

Wachsendes Problembewusstsein

Probleme mit Rassismus und Polizeigewalt seien vielen nach der Tat bewusster geworden – gerade den Jüngeren. Sie sagt: "Viele haben nach dem Anschlag Probleme erst erkannt."

"Sie haben gemerkt, dass sie dann doch anders behandelt werden als zum Beispiel Mitschüler, die keinen Migrationshintergrund haben."
Seda Ardal, Initiative 19. Februar Hanau