Die Corona-Pandemie hat manche von uns müde gemacht, antriebslos. Es ist wie Long Covid für unsere Seele. Der Krieg in der Ukraine kommt noch obendrauf. Psycholog*innen haben sich das Gefühlschaos jetzt angeschaut.

Es scheint wie eine Dauerschleife, die aus Krisen besteht. Auf zwei Jahre Coronavirus-Pandemie folgt jetzt der Krieg gegen die Ukraine. Das kann in einem Gefühl der Ohnmacht münden oder auch einem permanenten Schuldgefühl, das Falsche oder zu wenig zu tun. Bei anderen stärkt es den Wunsch nach einer Perspektive.

Das haben beide Krisen miteinander gemeinsam, wenn es um unseren Umgang mit ihnen geht. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine aktuelle Studie vom Markt- und Medienforschungsinstitut Rheingold, das auf psychologische Themen spezialisiert ist.

Wie geht es dir?

Für ihre Studie haben die Psycholog*innen 40 Menschen jeweils in zweistündigen tiefenpsychologischen Gesprächen und in Gruppendiskussionen gefragt, wie es ihnen aktuell in Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie geht. Zu dem Thema haben sie zusätzlich auch 1000 Menschen in einer Onlineumfrage Fragen gestellt.

Der Umgang mit der Coronavirus-Pandemie war der ursprünglich Schwerpunkt ihrer Studie. Als dann russische Truppen in die Ukraine einmarschiert sind, haben sie zusätzlich zwölf Menschen in einer tiefenpsychologischen Sitzung zu ihrem Empfinden im Hinblick auf den Krieg befragt.

Antrieb und Perspektiven fehlen

Als Folge der Pandemie nahmen die Teilnehmenden besonders Gefühle von Antriebslosigkeit, Resignation und Perspektivlosigkeit bei sich wahr. Vor allem Menschen zwischen 18 und 29 Jahren ging es so.

Ein Viertel der Befragten möchte auch nach der Corona-Pandemie vorsichtiger und zurückhaltender im Umgang mit anderen Menschen sein. Ein weiteres Viertel möchte nach Corona wieder so leben wie vor der Pandemie. Nur wenige von den Teilnehmenden haben vor, das nachzuholen, was wegen der Pandemie nicht möglich war.

Die Forschenden sprechen auch von einem Rückzug ins Schneckenhaus. Während der Pandemie waren wir dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben und möglichst wenige Menschen zu treffen. Was viele im ersten Lockdown noch als entschleunigend empfunden haben, hat sich zur Trägheit und Bequemlichkeit entwickelt.

Von "Aktivierungsspritze" zu "Beruhigungsspritze"

Eine ähnliche Verschiebung beschreiben die Studienautor*innen auch bei der Corona-Impfung. Nachdem es die ersten Impfstoffe gab, schien die Impfung wie eine "Aktivierungsspritze".

Mit ihr kam die Aussicht auf ein Leben wie vor der Pandemie, in dem wir uns frei bewegen, aktiv sein und viele Menschen treffen können. Mittlerweile ist klar: Auch geimpfte Menschen können sich mit dem Virus infizieren. Die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist aber gering. Darum bezeichnen die Psycholog*innen die Impfung heute als "Beruhigungsspritze".

Corona und Krieg

Durch den Krieg gegen die Ukraine beobachten sie wiederum, wie verstärkt Ohnmachtsgefühle auf die mittlerweile zermürbten Gemüter der Menschen einprasseln.

Um mit diesen Gefühlen irgendwie klar zu kommen, konsumieren manche pausenlos Nachrichten mit der Hoffnung auf gute Neuigkeiten, andere bieten ihre Hilfe an und zeigen sich solidarisch und wieder andere denken sogar darüber nach, Europa zu verlassen.

Was ihnen hinsichtlich des Kriegs Hoffnung gibt, ist das aktuelle Handeln der Politik, so die Psycholog*innen. Für viele der Befragten waren die Politiker*innen in der Pandemiebekämpfung oft zu zögerlich.