Wenn Markus Schildhauer von der Seemannsmission Bordbesuche macht, dann geht er erst mal zum Koch. Der weiß, was die Seeleute bedrückt. 

Seeleute sind einsame Menschen. Sie sind viele Monate mit einer Besatzung unterwegs. Wenn Markus Schildhauer an Bord geht, macht er ihnen ein offenes Gesprächsangebot. Als Ansprechpartner von außen bringt er ein Stück Menschlichkeit ins Bordleben, sagt er.

In jedem Hafen ein Mädchen - so ist die Seefahrt nicht

Markus Schildhauer arbeitet für die Seemannsmission. Die meisten seiner Kollegen sind Diakone, Sozialarbeiter oder Pfarrer. Er ist Kaufmann. "Ich bin einfach nur ein Ohr für die Menschen, ich kann keinen Tipp geben, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Ich kann nur mit ihnen versuchen, dass das Erlebte ihnen nicht in den Träumen begegnet."

"Ich versuche immer in Pausen zu kommen und mache ein offenes Gesprächsangebot."

Die Gesprächsthemen an Bord sind ganz unterschiedlich. Seeleute sehen ihre Kinder kaum, manchmal nur per Skype. Das ist belastend. Markus Schildhauer hört zu, besonders wenn Beziehungen zu Bruch gehen, Kinder Abi machen und der Seefahrerpapa davon nichts mitbekommt oder Familienmitglieder Tausende Kilometer entfernt versterben.

Handelsschifffahrt übernimmt Großteil von Rettungsmaßnahmen

Markus Schildhauer ist für die Seemannsmission in Alexandria. Das Thema "Flucht übers Mittelmeer" ist dort ein großes Problem. "Manche Seeleute haben mittlerweile Angst, mit dem Thema konfrontiert zu werden", weiß er. Denn Rettungsmaßnahmen sind für sie auch immer eine Begegnung mit dem Tod.

"Manche Seeleute blicken nur noch aufs Mittelmeer hinaus, wenn es wirklich sein muss, aus Angst, etwas zu sehen, was sie nicht sehen möchten."

Die Containerschiffe liegen sechs Stunden im Hafen, die Menschen arbeiten in Schichten. Nur auf hoher See darf 78 Stunden gearbeitet werden. Das bedeutet harte Arbeit über lange Zeit hinweg. Die Männer sind ausgelaugt. 

Nur noch wenige Deutsche arbeiten so, weiß Markus Schildhauer: "Es sind häufig Asiaten, Philippiner, Ukrainer und Russen, die auf einem Schiff zusammengeschustert werden. Die unterschiedlichen Nationen bringen zusätzlich ihre Konflikte mit auf See."