Erst stirbt eine Frau nachdem sie von einem selbstfahrenden Ubertaxi angefahren wird. Dann stirbt der Fahrer eines Tesla. Forscher sagen: Die Unfälle hätten verhindert werden können.

Nach wie vor gilt: Pro gefahrenem Kilometer verursachen selbstfahrende Autos deutlich weniger Unfälle, als wenn ein Mensch hinter dem Steuer sitzt. Trotzdem muss geprüft werden: Hat fahrlässiges Handeln zu den Unfällen der autonomen Fahrzeuge geführt? Technik-Professoren verschiedener deutscher Universitäten meinen: Ja.

Denn beim Unfall mit dem Uber-Fahrzeug war das Auto anscheinend nicht auf dem aktuellen Stand der Technik. So fehlten Sensoren auf dem Dach, die die Umgebung scannen. Das Auto war zwar mit diesen Sensoren ausgerüstet, hatte allerdings weniger davon als das Nachfolgemodell, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters

Bessere Technik hätte Unfälle verhindern können

Die Folge: Das Auto hat die Frau nicht erkannt - das ist die eine Möglichkeit. Oder das Auto hat die Frau erkannt, aber das Notbremssystem hat nicht funktioniert. Die Technik-Professoren, die den Fall untersuchen, gehen in einer gemeinsamen Erklärung davon aus, dass der Uber-Unfall mit besserer Technik zumindest hätte gemindert, wenn nicht sogar verhindert werden können.

Auch Tesla-Unfall wirft Fragen auf

Beim Tesla-Unfall dauern die Untersuchungen noch an. Als gesichert gilt bisher: Das Fahrzeug hat kurz vor der Kollision mehrere Warnungen an den Fahrer abgegeben. Der hätte noch fünf Sekunden vor dem Unfall Zeit gehabt einzugreifen, was er aber nicht gemacht hat. Die Frage ist: Warum hat das System dann nicht selbst gebremst?

Offiziell gilt es damit als wahrscheinlich, dass die Schuld dem Fahrer zugeschrieben wird. Denn der hätte bremsen müssen. Denn das System wird nicht selbstfahrend verkauft, sondern lediglich als Assistenzsystem. Das Problem dabei ist aber, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler:

"Wie will man als Fahrer über Minuten und Stunden aufmerksam bleiben und immer eingreifen können, wenn das Auto sonst die meiste Zeit komplett alleine fährt, ohne dass ich was machen muss?"
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Ein merkwürdiger Ansatz vom Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine, findet Konstantin Köhler. Denn dem Käufer wird das System eines autonomen Fahrzeugs als Assistenz verkauft. Was heißt: Der Fahrer trägt immer noch die Verantwortung, auch wenn sich das Fahrzeug ansonsten autonom bewegt. Eigentlich - so meint er - müsste jedem Fahrer eines solchen Autos gesagt werden: Du testest gerade die Selbstfahrfunktion. Denn de facto gibt es da einfach noch kein ausentwickeltes Produkt.

In ihrer Pressemitteilung haben die sechs Technik-Professoren das so zusammengefasst:

"Insbesondere Start-Ups in den USA stehen scheinbar, auch durch den Wettlauf um Finanzinvestoren, unter so großem Erfolgszwang, dass sie im Zweifelsfall eher zu früh im öffentlichen Straßenverkehr testen."
Zitat aus dem öffentlichen Statement der Technik-Professoren