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Liv ist dem Dating gegenüber eigentlich positiv eingestellt. Aber sie erfährt auch immer wieder Ablehnung – und das kratzt an ihrem Selbstwert. Wie rappeln wir uns nach Datingfails wieder auf?

Neue Menschen treffen, flirten, Spaß haben: Dating kann eine schöne Sache sein. Wenn es gut läuft, schweben wir wie auf Wolken. Aber es kann auch richtig frustrierend sein, wenn wir etwa warmgehalten oder versetzt werden oder immer wieder schlechte Erfahrungen machen.

Liv kennt das: Als sie nach einer langen und liebevollen Beziehung wieder einen neuen Partner sucht, geht sie erstmal "sehr confident und lustig" an die Sache ran, wie sie sagt. Doch die Dating-Welt funktioniert nicht so, wie sie es sich vorstellt: "Das war für mich wie ein kompletter Schlag ins Gesicht."

"Was stimmt jetzt mit mir nicht? Kann man mich irgendwie nicht lieben?"
Liv über Selbstzweifel

Liv probiert verschiedene Dating-Apps aus, um Männer kennenzulernen. Ihr positives Mindset bekommt erst ein paar Kratzer, und dann häufen sich die Selbstzweifel immer mehr. Sie wird versetzt, geghostet oder hat es mit unzuverlässigen Typen zu tun.

Liv bei einem Abendessen
© privat
Liv hatte eine schwierige Dating-Phase.

"Wenn so etwas immer und immer wieder passiert, dann merkt sich dein Unterbewusstsein das irgendwann", meint sie. Und mit der Zeit fängt sie an, sich zu fragen, ob mit ihr etwas nicht stimmt. Ist sie vielleicht nicht liebenswert? "Das war schon nicht ganz so leicht für mich", erinnert sich Liv.

Von ihren Eltern bekommt sie Liebe vorgelebt, erzählt sie, die beiden sind seit 30 Jahren glücklich verheiratet. Aber bei ihr bekommt das Wort Liebe nun eine neue Bedeutung: Es bedeutet Stress, emotional Achterbahn fahren und auch toxische Gefühle. Damit kann sie zunächst nicht umgehen, erzählt sie.

"Man entfernt sich dann immer mehr von einem selber, wenn man irgendwie auch nicht mehr so versteht, wie das alles funktioniert."
Liv über Selbstzweifel

Mit der Zeit schwindet ihr Selbstbewusstsein – nicht im beruflichen oder freundschaftlichen Kontext, aber beim Dating: "Je öfter ich auf Dates gegangen bin, Leute kennengelernt habe, desto unsicherer wurde ich", sagt sie. Schüchtern sei sie irgendwann gewesen, obwohl sie sonst immer der größte Fan von sich selbst war.

Dating macht verletzlich

Dating verändert unser Selbstwertgefühl, bestätigt die Selbstwertforscherin Astrid Schütz: Gerade beim Online-Dating werden Menschen ständig mit Rückmeldungen, Vergleichen und Ablehnung konfrontiert, wodurch manche beginnen, ihren eigenen Wert an Matches, Likes oder Aufmerksamkeit festzumachen.

"Wenn ich nun keinen sehr stabilen Selbstwert habe, dann besteht die Gefahr, dass ich mich aufgrund dieser Ablehnungserfahrung wertlos fühle oder wertloser als vorher."
Astrid Schütz, Professorin für Persönlichkeitspsychologie

Wie stabil unser Selbstwert ist, ist zu einem Teil genetisch vorbestimmt, zu einem anderen Teil erworben, sagt die Wissenschaftlerin. Schon in der Kindheit wird der Grundstein gelegt. Die Wertschätzung, die wir von unseren Eltern erhalten, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Im Laufe des Lebens kann unser Selbstwert wachsen oder auch schrumpfen. Eine Trennung oder Arbeitslosigkeit, das sind typische Ereignisse, die oft nicht spurlos an uns vorüber gehen.

Ablehnung gehört zum Dating dazu

Wiederholen sich negative Dating-Erfahrungen, können sie langfristig das Selbstbild verändern, das sagt auch die Dating-Expertin Wera Aretz. Gerade Ghosting treffe viele Menschen besonders stark, weil sie ohne Erklärung zurückbleiben. Dennoch gehöre Ablehnung zum Dating dazu und lasse sich kaum vermeiden.

Wenn Dating frustriert

Ein Warnsignal dafür, dass unser Selbstwert zu stark vom Dating abhängt, ist, wenn wir Dating-Apps ständig kontrollieren, gedanklich den ganzen Tag beim Dating sind oder das Dating dauerhaft nur noch belastet und keinen Spaß mehr macht. Dann sollten wir eine Pause einlegen und bewusst Abstand von Dating-Apps nehmen, rät Wera Aretz.

"Dating produziert eine enorme Unsicherheit."
Wera Aretz, Professorin für Wirtschaftspsychologie

Die vielen Fragen, die uns in einer Datingphase beschäftigen, können dazu führen, dass die Sicht auf uns selbst kritischer wird, sagt die Psychologin. Wir fangen an, uns zu hinterfragen und werden unsicherer: "Und das liegt unter anderem daran, dass wir in so Unsicherheitssituationen Stress haben. Und wenn wir Stress haben, dann verringert das unser vernünftiges Denken."

Selbstwert aus sich selbst schöpfen

Sie rät: Wenn wir beim Dating Ablehnung erfahren, sollten wir versuchen, diese Ablehnung oder diese frustrierende Erfahrung vom Selbstwert zu trennen – auch wenn das nicht ganz einfach ist.

Wir sollten uns Bestätigung aus anderen Quellen suchen - etwa von Freunden oder im Beruf. Und am besten auch: aus uns selbst. Denn unser Selbstwert hängt im Idealfall nicht von der Sicht anderer auf uns ab, sondern von dem Wert, den wir uns selbst beimessen, so wie wir sind.

"Entweder passt jemand zu dir oder es passt jemand nicht zu dir."
Liv, nimmt Dating-Fails heute weniger persönlich

Auch Liv hat sich nach den vielen negativen Dating-Erfahrungen eine Pause verordnet, hat Ratgeber gelesen und sogar Videos geschaut, um zu erfahren, was sie besser machen kann. Und sie hat wieder mehr Zeit mit ihren Freunden verbracht. Das hat ihr gut getan.

Datefails weniger persönlich nehmen

Letztlich ist sie zu dem Schluss gekommen, dass viele Dating-Regeln für sie nicht funktionieren. Sie will einfach sie selbst sein, wenn sie zu einem Date geht, ohne zu viel nachdenken zu müssen. Und sie kann das Dating-Leben wieder lockerer sehen: Entweder es passt – oder eben auch nicht, meint sie.

"Ich glaube ganz fest daran, dass ich einfach die falschen Personen gedatet habe. Menschen, die emotionally unavailable waren." Ein misslungenes Date muss sie darum nicht mehr so persönlich nehmen, sie kann es jetzt einfach abhaken.

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Shownotes
Selbstwert
Wie sehr schaden uns negative Datingerfahrungen?
vom 02. September 2026
Gesprächspartnerin: 
Liv, hat durch negative Datingerfahrungen Selbstwertprobleme bekommen
Gesprächspartnerin: 
Wera Aretz, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius und Expertin für Dating und digitale Kommunikation 
Gesprächspartnerin: 
Astrid Schütz, Professorin für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Bamberg
Autorin und Host: 
Shain Rogall
Redaktion: 
Yevgeniya Shcherbakova, Christian Schmitt, Friederike Seeger
Produktion: 
Sonja Maronde