Gaddafi, Mubarak oder Janukowitsch: Alle diese Dikatoren wurden geschasst. Keine guten Zeiten für ambitionierte, machthungrige Politiker - könnte man meinen. Doch keine Sorge: Die Lage ist nicht überall schlecht. Ein Diktatoren-Seminar verspricht Licht am Horizont. Unsere Reporterin Wiebke Lehnhoff hat an dem Kurs teilgenommen.

Auf die Spur gekommen ist Wiebke Lehnhoff dem Diktatoren-Seminar über ein schwarzes Brett am Supermarkt. Dort hing die Adresse für ein Online-Seminar für Nachwuchs-Diktatoren. Alles was die Teilnehmer dafür brauchen, sind ein Computer und ein Skype-Account.

Wiebkes Mitstreiter haben Namen wie "littledictator21", "DrAfrica", "IloveBudapest" oder "RussiaRulez". Diktatoren-Dozent ist der norwegische Blogger, Journalist und Autor Mikal Hem.

Ein Norweger? Wiebke ist überrascht und etwas skeptisch. Norwegen ist doch eine Demokratie. Woher soll Herr Hem wissen, wie eine richtige Diktatur funktioniert? Doch der Seminarleiter lässt sich nicht verunsichern. Gerade weil Norwegen so eine langweilige Demokratie sei, habe er alle großen Diktatoren studiert und besucht. Er wisse genau, was klappt und was nicht.

"So far I like to use my knowledge to teach others. But eventionally I will find my own country. I'm taking my time, because I'm looking for the right one"
Mikael Hem, Seminarleiter, Autor, Blogger und Journalist

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Beispiel nehmen sollen sich die Seminarteilnehmer an Abdel Al-Sisi. Er habe im vergangenen Jahr den perfekten Moment zur Machtergreifung in Ägypten genutzt. Die neue Regierung der Muslim-Bruderschaft war unbeliebt und das politische System lief nicht so gut. Nach 20 Jahren Mubarak-Herrschaft war die Bevölkerung viel zu ungeübt in Demokratie. Und da hat der Armeechef zugeschlagen und alles richtig gemacht.

Die Medien kontrollieren und die Opposition niederdrücken

Wichtig für jeden Diktator sei der richtige Umgang mit den lästigen Medien. Mikal Hem erklärt verschiedene Herangehensweisen. Leuchtendes Beispiel für ihn ist Wladimir Putin. Als der alte Geheimdienstfuchs in Russland zum Präsidenten aufstieg, hat er klargemacht, dass der Staat alle wichtigen Medien kontrollieren muss. Zuerst die drei größten Fernsehstationen. Genial. Und die Opposition kann man natürlich einfach verschwinden lassen.

Die Suche nach dem perfekten Land

Mikal Hem bereitet die Nachwuchsdiktatoren in optimal auf die große Karriere vor. Nur das passende Land muss jeder selbst finden. Und zwar ein Land, das politisch instabil ist, wo es den Leuten auch finanziell schlecht geht, sodass ihnen Politik egal ist. Und rohstoffreich muss es sein, damit der einzelne Diktator sich so richtig die Taschen füllen kann.

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