HIV, Tollwut, Malaria – nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie kennen
wir Zoonosen. Damit sind Krankheiten gemeint, die vom Tier auf den Menschen überspringen und umgekehrt. Nun haben Ärzte den ersten Fall des Seoul-Virus in Deutschland nachgewiesen: Eine junge Frau aus Niedersachsen hatte sich bei ihrer Hausratte angesteckt. Die Forschenden mahnen zur Vorsicht mit den Tieren.

Das Seoul-Virus gehört zur Familie der Hanta-Viren, die weltweit verbreitet sind. Nun haben Forschende der Berliner Charité den ersten Fall des Seoul-Virus in Deutschland untersucht und die Ergebnisse im Emerging Infectious Diseases Journal veröffentlicht.

"Die Patientin kam mit Symptomen akuten Nierenversagens ins Krankenhaus und wurde drei Tage lang intensivmedizinisch betreut. Das Seoul-Virus kann für Menschen lebensbedrohlich werden."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die damals 18-jährige Patientin aus Niedersachsen wurde vor einem Jahr mit akutem Nierenversagen ins Krankenhaus eingeliefert und lag drei Tage lang auf der Intensivstation. Ärzte der Charité in Berlin haben den Fall untersucht und ihre Studie nun vorgestellt.

Sie vermuteten zwar relativ schnell, dass sie sich mit einem Hanta-Virus angesteckt hatte, doch das Seoul-Virus war bis zu jenem Zeitpunkt in Deutschland noch nicht nachgewiesen worden.

Keine zweite Pandemie

Grund zur Sorge einer zweiten Pandemie gibt es dadurch aber nicht: Bisher geht die Forschung davon aus, dass dieses Virus zwar vom Tier auf den Mensch überspringt, nicht aber von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Die Forschenden raten trotzdem zur Vorsicht, denn das Seoul-Virus führt häufiger zu schweren Erkrankungen mit Todesfolge.

Andere Hanta-Viren-Infektionen durch Mäuse übertragbar

Das Seoul-Virus wird meist von Ratten übertragen. Die Infektionsgefahr entsteht vor allem dadruch, dass diese als Haustiere gehalten werden.

Andere Hanta-Viren werden dagegen vor allem von Rötelmäusen oder Brandmäusen übertragen. Diese Mäuse werden zwar von den wenigsten Menschen als Haustiere gehalten, können aber über ihre Ausscheidungen zum Beispiel Staub kontaminieren. Halten sich solche Mäuse in Hütten oder im Keller auf, kann es sein, dass wir beim Durchfegen Staub aufwirbeln, diesen einatmen und uns so anstecken.

"Das Infektionsrisiko ist bei Wild-und Zuchtratten viel höher, da sie auch als Haustiere beliebt sind. Vor allem mit den Ausscheidungen sollten wir nicht in Berührung kommen, um eine Infektion zu vermeiden."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Werden Wild- oder Zuchtratten als Haustiere gehalten, ist das Risiko groß, mit Viren infiziert zu werden. Aber: Es ist möglich, seine Hausratte und sich selbst auf etwaige Infektionen testen zu lassen.

Die Forschenden der Studie schreiben, dass diese Tiere im Hinblick auf die Erreger überwacht werden müssten. Denn zurzeit gibt es keine Regelungen für den Import und Verkauf.