Unter dem Motto "Irgendwas mit Fußball" macht gerade jeder Werbung. Was aber eine nackte Frau plus Fußball auf den Plakaten eines Wettportals soll, fragten sich einige. Beim Werberat in Deutschland und Österreich gingen Beschwerden wegen geschlechterdiskriminierender Werbung ein.

"Sex sells" hat sich der Wettanbieter Bet-at-home offensichtlich gedacht. Sein aktuelles Werbemotiv ist nicht nur flächendeckend plakatiert, sondern es stößt auch auf wenig Gegenliebe. Mit Wetten oder Fußball hat das Motiv nämlich so gar nichts zu tun.

Angedockt ist die Plakatkampagne an einen Werbespot, der an den Filmklassiker "Balduin - der Schrecken von Saint Tropez" mit Louis de Funès erinnern soll. Darin hopsen nackte Männer und Frauen am Strand zum Slogan "Das Leben ist ein Spiel" umher. Auf der Plakat- und Printkampagne ist jedoch nur das letzte Motiv des Clips hängen geblieben: die nackte Frau mit dem Fußball. Mehr als 25 Beschwerden wegen sexistischer Werbung hat es beim Deutschen Werberat schon gegeben.

Eine, die sich beschwert hat, ist Christine Kronenberg vom Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln. Sie sagt, für sie ist die Werbung klar sexistisch - die Frau auf dem Plakat werde auf ihre Sexualität reduziert.

"Ihr nackter Körper hat im Prinzip keinen inhaltlichen Zusammenhang zur Sportwette."
Christine Kronenberg, Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln

Ob aus einer Beschwerde auch eine Rüge wird, darüber entscheidet letztlich der Werberat. Er ist keine staatliche Einrichtung, sondern wird von der deutschen Werbewirtschaft, also den Unternehmen, Medien und Werbeagenturen mitgetragen. Er kontrolliert, ob die selbsterklärten Verhaltensweisen der Werbeindustrie eingehalten werden. Darin steht beispielsweise, dass Personen nicht objektifiziert und nicht auf ihre Sexualität reduziert werden sollen.

Warten auf die Stellungnahme

Verstößt ein Unternehmen gegen diesen Kodex, kann der Werberat die Einstellung oder Veränderung einer Kampagne fordern. In 95 Prozent der Fälle, sagt Julia Busse, Geschäftsführerin des deutschen Werberates, wird das auch umgesetzt. Zum aktuellen Stand des Falls von Bet-at-home konnte Geschäftsführerin noch keine Auskunft geben. Noch stehe die offizielle Stellungnahme des Anbieters aus.

Ganz ähnliche Beschwerden gingen übrigens schon beim Österreichischen Werberat ein. Auch diese kritisierten: Die nackte Frau hat mit dem Produkt rein gar nichts zu tun. In einer Beschwerde heißt es außerdem, das angedeutete Fernglas suggeriere, dass es okay sei Frauen zu beobachten. Konzernsprecher Claus Retschitzegger sagte gegenüber dem Magazin Horizont zuvor, die Frau werde nicht als Objekt dargestellt, sondern nehme die Rolle einer selbstbewussten Person ein. Zumindest der österreichische Werberat sieht das anders.