Kein Sex ohne aktive Zustimmung. Seit dem 1. Juli 2018 gibt es das Zustimmungsgesetz in Schweden: Vor dem Geschlechtsverkehr müssen sich die Partnerinnen und Partner aktiv das Einverständnis einholen. Was das Gesetz gebracht hat, erzählt unsere Reporterin Victoria Reith.

Es heißt Zustimmungsgesetz, weil es genau darum geht: Vor dem Sex müssen alle Sexualpartnerinnen und Sexualpartner ausdrücklich zustimmen, damit der Sex legal ist. Es geht also nicht um das Nein-Sagen, sondern um das aktive Ja zum Sex.

Zustimmen können Männer und Frauen auf verschiedenen Wegen: durch Worte, aber auch durch Handlungen. Eine Handlung kann hierbei das aktive Mitmachen sein. Wichtig ist, sich gegenseitig zu versichern, dass der oder die andere tatsächlich freiwillig weitermachen möchte.

Das Zustimmungsgesetz zeigt Erfolge

Im ersten Jahr gab es 94 Anzeigen im Zusammenhang des neuen Gesetzes, so unsere Reporterin Victoria Reith. Dabei geht es um fahrlässige Vergewaltigung – so heißt der neu geschaffene Straftatbestand.

Eine Anzeige bezieht sich zum Beispiel auf einen Fall aus dem Sommer 2018: Eine Frau war nach einer Party auf einem Sofa eingeschlafen. Sie wachte auf, als ein Mann sie auszog und in sie eindrang, bevor sie protestieren konnte. Diese Tat wäre bis 1. Juli 2018 als sexuelle Belästigung geahndet worden. Doch mit dem neuen Gesetz wurde der Täter zu zwei Jahren Gefängnis wegen fahrlässiger Vergewaltigung verurteilt.

Es ist nicht nur Symbolpolitik

Laut Medienberichten wurden rund acht Männer auf Basis des neuen Gesetzes verurteilt. Die endgültigen Zahlen wird die noch ausstehende Kriminalstatistik liefern. Dass es überhaupt Urteile gibt, mag manche überrascht haben, so Victoria Reith. Kritiker hatten das Zustimmungsgesetz als reine Symbolpolitik abgetan.

"Dass es überhaupt Urteile gibt, überrascht einige Leute, die vorher vielleicht kritisch waren."
Victoria Reith, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Für die Unterstützer des Gesetzes ging es auch darum, dass es Urteile gibt. Aber es sollte auch ein Signal an die Gesellschaft sein – nämlich, dass Sex etwas Freiwilliges ist. Mit dem Gesetz sollten auch Einstellungen verändert werden. Es soll für alle zur Routine werden, sich zu vergewissern, was der oder die Andere will.

"Das Gesetz war tatsächlich auch darauf ausgelegt, etwas in den Köpfen der Leute zu verändern."
Victoria Reith, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Als das Gesetz vor einem Jahr in Schweden eingeführt wurde, wurde es heftig diskutiert. "Aber die meisten Schweden finden das Gesetz gut", sagt Victoria Reith. Doch es gibt einen Geschlechterunterschied: 90 Prozent der Frauen sind für das Gesetz, bei den Männern nur 33 Prozent. Bei den Männern lehnen 20 Prozent das Gesetz sogar komplett ab.