Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz trifft oft Frauen – aber auch Männer können betroffen sein. Die Täter sind meistens Männer. Die wenigsten Opfer wissen, dass sie per Gesetz geschützt sind.

Ein Blick in den Ausschnitt, eine anzügliche Bemerkung oder plötzlich rutscht die Hand aufs Knie. Es gibt viele verschiedene Formen der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz. In Eine Stunde Liebe hören wir unterschiedliche Erfahrungsberichte und eine Sozialpsychologin erklärt, wie man sich wehren kann.

"Die Deutungshoheit, wann sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz anfängt, liegt bei den betroffenen Personen selbst. Es kann schon mit einer abfälligen Bemerkung losgehen."
Sandra Schwark, Sozialpsychologin

Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind Frauen doppelt so häufig von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen wie Männer. Die Europäische Grundrechteagentur hat erfasst, dass jede vierte Frau in Deutschland im Job schon sexuelle Belästigung erfahren hat. Auch wenn Männer Opfer sind, sind die Täter oftmals Männer, sagt Sozialpsychologin Sandra Schwark.

"Nach einer Firmenfeier sind wir mit Kollegen noch zur Wohnung meines Chefs mitgegangen. Irgendwann fing mein Chef an sich komplett auszuziehen, bis auf die Unterhose, hat sich breitbeinig vor mich hingesetzt und gesagt: los, lutsch!"
Eine-Stunde-Liebe-Hörer, der anonym bleiben will

Betroffene sind gesetzlich geschützt

Auch wenn eine sexuelle Belästigung nicht am Arbeitsplatz selbst, aber im Rahmen einer Arbeitsveranstaltung passiert, kann sie geahndet werden. Geschützt werden Betroffene durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das verbietet jede Form der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz.

Sobald ein Fall in einem Unternehmen bekannt wird, muss sich die Leitung um Aufklärung bemühen. Von diesem Recht wissen wenige Betroffene, so Sozialpsychologin Sandra Schwark. Sie rät, sich erst mal an eine Beratungsstelle zu wenden. Es geht immer um Machtmissbrauch, gegen den man sich wehren muss.

"Ich bekam auch Avancen von Vorgesetzten, wo ich zumindest einen Drink nehmen musste. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich da freundlich verhalten, ohne dass ich es genauer benennen konnte. Und ich glaube, dieses Problem haben sehr viele junge Frauen."
Caroline Rosales, Journalistin und Autorin

Über das Abhängigkeitsverhältnis in der Medienbranche hat Caroline Rosales in ihrem Buch "Sexuell verfügbar" geschrieben. Sie schildert darin unter anderem eine Affäre mit einem vorgesetzten Kollegen, der 20 Jahre älter war als sie. Ein Problem sei, dass man gerade als Berufseinsteigerin Angst vor Nachteilen im Job habe. Gelöst hat sich das Problem durch die Arbeit in einer Redaktion mit flachen Hierarchien, wo sich die Mitarbeitenden auf Augenhöhe begegnen.

Neues aus dem Liebestagebuch

Außerdem erzählt trans* Mann Jonas im Liebestagebuch von seiner Beziehung zu Grey und fragt sich, wie groß die Abhängigkeit voneinander ist.