Catcalling – verbale sexuelle Belästigung – ist in einigen Ländern wie Belgien, Portugal und den Niederlanden strafbar, in Deutschland jedoch noch nicht. Antonia Quell ist die Initiatorin einer Petition, die das nun auch hier fordert.

In vielen europäischen Ländern geht man inzwischen konsequent gegen sexuelle Belästigung vor. Auch gegen verbale, sogenanntes Catcalling. In Frankreich kann beispielsweise ein Bußgeld von bis zu 750 Euro gegen Täter verhängt werden. Wenn die Polizei das mitbekommt oder ein Opfer die Tat beweisen kann, werde es teuer, sagt Antonia Quell.

Deutsches Recht: Sexuelle Belästigung erst bei Körperkontakt strafbar

In ihrer Petition fordert Antonia Quells, dass der Begriff der sexuellen Belästigung in Deutschland auf verbale Angriffe ausgeweitet werden soll. Denn bisher wird erst von einem sexuellen Übergriff gesprochen, wenn es zu körperlichem Kontakt kommt. Verbale Belästigung ist bislang nicht strafbar.

"Ich finde es crazy, dass viele andere Länder, die scheinbar die gleichen Probleme haben wie wir, zumindest Lösungsansätze dafür gefunden haben. In Deutschland müssen Frauen – vor allem auf der Straße – Catcalling über sich ergehen lassen."
Antonia Quell, Initiatorin einer Petition, die fordert, dass Catcalling in Deutschland strafbar wird

In dem Text zu ihrer Petition schlägt Antonia Quell vor, dass Catcalling in einer ähnlichen Form zu ahnden wie eine Ordnungswidrigkeit, mit Bußgeldern wie in Frankreich beispielsweise. Für ihre Vorschläge hat Antonia recherchiert, welche juristischen Lösungsansätze es gibt. Allerdings sei das ein kompliziertes Thema und sie keine Expertin in Rechtsfragen. Ihre Petition sei nur eine erste Idee.

Die Grenze zwischen Flirten und Catcalling

In der Rubrik "Pro & Contra" ihrer Petition sprechen sich manche dagegen aus, dass der Begriff der sexuellen Belästigung auf Catcalling ausgeweitet wird. Sie argumentieren, Flirten könne schnell missverstanden werden, weil es sehr subjektiv sei, wann das eine in das andere übergehe. Antonia hält dagegen: Wer Catcalling als Flirten verstehe, der solle am besten nicht flirten.

Es sei wahrscheinlich ein verschwindend geringer Anteil von Frauen, vermutet Antonia, die möglicherweise auf Catcalling stehen. Möglicherweise würden auch sie sich darüber freuen, wenn sie auf nicht sexuelle Art angesprochen würde. Catcalling unter Strafe zu stellen, erschwere es keinesfalls das Flirten, glaubt Antonia.

Keine adäquate deutsche Übersetzung für Catcalling

Catcalling lasse sich nicht mit einem Wort ins Deutsche übersetzen. Es gebe keinen entsprechenden Begriff für diese Form von sexueller Belästigung. Antonia umschreibt Catcalling mit "verbaler sexueller Belästigung".

"Sprache schafft Wirklichkeit", sagt Antonia. Dass es im Deutschen keine Entsprechung für diese Form der sexuellen Belästigung gebe, mache es schwieriger, auf dieses Problem aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen.