Sexuelle Gewalt ist ein großes Problem in vielen Universitäten in den USA und in Kanada. Ein Forscherteam stellt sich nun die Frage: Kann man mit gezieltem Training Vergewaltigungen verhindern? Ein erster Versuch hat ziemlich positive Ergebnisse gezeigt.

Die Universitäten in Nordamerika haben ein Problem: Viele junge Frauen werden während ihres Studiums Opfer von sexueller Belästigung. Mehr als die Hälfte aller Studentinnen in den USA gibt in einer Studie an, dass sie schon einmal belästigt wurden. Sprüche, Berührungen. Bis hin zur Vergewaltigung.

Widerstandstraining mit 450 Studentinnen

Ein Team von Wissenschaftlern will etwas dagegen unternehmen und hat ein Training gegen Vergewaltigung entwickelt und mit 450 Studentinnen getestet. Das Widerstandstraining lief in vier Sessions ab.

  1. Wie kann ich abschätzen, ob eine Situation gefährlich ist
  2. Wie lege ich das anerzogene Nett-Sein ab, wenn eine Situation brenzlig wird
  3. Wie kann ich mich im Notfall selbst verteidigen
  4. Wie bringe ich das Gelernte in meinen Alltag

Das ganze Training war sehr interaktiv angelegt mit vielen praktischen Übungen. Außerdem lag der Fokus mehr auf dem Widerstand, gerade wenn ein Täter mit sexueller Belästigung nicht aufhört. Hier könnt ihr die komplette Studie nachlesen.

Weniger Vergewaltigungen dank Training

Die Forscher haben in Kanada Studienanfängerinnen genommen und sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe hat in einer kurzen Veranstaltung Broschüren bekommen, in denen über sexuelle Gewalt aufgeklärt wurde. Die andere Gruppe hat das Widerstandstraining bekommen.

Das Ergebnis: Bei den Frauen, die nur Broschüren bekommen hatten, lag ein Jahr später die Zahl der Vergewaltigungen vier Mal höher als bei den Frauen, die das Training mitgemacht hatten.

"Die Forscher fordern, dass es auch ein effektives Training geben sollte, in dem der Schwerpunkt auf dem Verhalten der Männer liegt.
Wiebke Lehnhoff, DRadio-Wissen-Nachrichten

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