Eine Tafel Schokolade wog mal hundert Gramm. Inzwischen sind es oft nur neunzig – und sie ist teurer. Laut Verbraucherzentrale Hamburg ist das kein Einzelfall, sondern System. Mit der Wahl zur "Mogelpackung des Jahres" will sie politischen Druck erzeugen.

Dass eine Tafel Schokolade früher mal 100 Gramm schwer war, war ziemlich praktisch. Zum Backen zum Beispiel. Doch Dinge ändern sich: Die Tafel Milka-Alpenmilch zum Beispiel wiegt heute nur noch 90 Gramm und kostet statt 1,49 jetzt 1,99 Euro.

Oder die Backmischung "Käse-Streusel", die Dr. Oetker als neues Produkt anpreist, obwohl sich an der Zusammensetzung kaum etwas geändert hat. "Da steht dann drauf 'Klassiker neu interpretiert', obwohl es weiterhin ein Käse-Streuselkuchen ist", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Gleichzeitig steige der Preis (in Relation zur Füllmenge) um knapp 90 Prozent.

Dreiste Schummeleien der Lebensmittelindustrie

Mit der Wahl zur "Mogelpackung des Jahres" möchte die Verbraucherzentrale auf genau solche Mogelpackungen aufmerksam machen. Fünf Kandidaten, für die man bis zum 20. Januar abstimmen kann, stehen zur Wahl.

"Die Backmischung von Dr. Oetker – die tun so, als wäre es ein neues Produkt. Aber es ist kein neues Produkt, sondern die Inhaltsstoffe sind die gleichen."
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg

Bei der Verbraucherzentrale gehen jedes Jahr tausende Beschwerden ein, sagt Armin Valet. Doch bei der Politik tue sich gar nichts. Die Tendenz, Preiserhöhungen zu verschleiern, nehme sogar zu und die Verbraucher*innen würden "weiterhin geschröpft".

"Jedes Jahr tausende Beschwerden"

Genau das sei seine Motivation. Von der Abstimmung zur "Mogelpackung des Jahres" erhofft er sich Aufmerksamkeit, um auf dieses Dauerproblem hinzuweisen.

"Ich bin jetzt seit über 20 Jahren an diesem Thema dran. Bei der Politik tut sich gar nichts."
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg

Die Teuerungsrate für Nahrungsmitteln lag laut Statistischem Bundesamt 2025 im Schnitt bei 2,1 Prozent. "Bei den 77 Fällen, die wir veröffentlicht haben, war der Durchschnitt 28,4 Prozent", sagt Armin Valet. In diesen Fällen gehe es darum, wirklich dreiste Preiserhöhungen durchzudrücken.

Vorbilder Frankreich oder Brasilien

In anderen Ländern gebe es manchmal kleine Fortschritte, sagt Valet: In Frankreich etwa müsse es im Supermarkt einen Hinweis auf Shrinkflation geben, in Brasilien müsse es sogar auf der Packung stehen. Das alles wären Optionen, die man auch in Deutschland umsetzen könnte, sagt Armin Valet. Doch seit 20 Jahren sei nichts passiert. Auch im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung stehe nur ein kleiner Satz.

"Es steht jetzt im Koalitionsvertrag ein dürrer Satz, dass man für mehr Transparenz bei Mogelpackungen sorgen will. Wie das aussieht, ist noch nicht klar."
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg
Shownotes
Shrinkflation
Wenn wir mehr Geld für weniger Inhalt bezahlen
vom 07. Januar 2026
Moderation: 
Lena Mempel
Gesprächspartner: 
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg