Eine bewegte Fußballwoche: ein abgesagtes Länderspiel zwischen Deutschland und Holland, ein neues Nationaltrikot, ein möglicher neuer DFB-Chef und Beckenbauer, der behauptet, er habe alles blanko unterschrieben. Und die Frage, die alle bewegt: Wie sicher ist es nach den Anschlägen in Frankreich noch im Stadion?

Die 11-Freunde-Redakteure Philipp Köster und Jens Kirschneck sind zu Gast im Studio, um die aktuelle Sicherheitslage in den Stadien einzuschätzen. Wir fragen im Interview, ob Bodyscanner und personalisierte Eintrittskarten mehr Sicherheit bringen oder nur den Spaßfaktor des Fußballevents einschränken.

Mehr Sicherheit vs. Überwachungsfantasien

Belgien hat beispielsweise die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. In Deutschland sagen Sicherheitskräfte bisher zwar, dass es keine akute Gefahr gibt, trotzdem werden die Polizeikräfte bei Veranstaltungen mit höherem Publikumsaufkommen verstärkt. Fußballstadien und Weihnachtsmärkte sollen nach den Anschlägen von Paris vor möglichen Nachahmern geschützt werden. Mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen versucht man der allgemein herrschenden Verunsicherung in der Bevölkerung zu begegnen.

​Die Vorstellung, dass sich ein Terrorist davon abhalten lässt, so ein Stadion in die Luft zu jagen, dadurch, dass ein falscher Name auf dem Ticket steht, ist total naiv. Das hat eher mit Überwachungsfantasien von irgendwelchen Funktionären zu tun, als mit Sicherheit.

Viele mögliche Maßnahmen werden zurzeit diskutiert, die Frage ist nur, wie sinnvoll sie sind. Ist es realistisch, Eintrittskarten für Fußballstadien zu personalisieren und dadurch mehr Sicherheit zu schaffen? Philipp Köster, Chef-Redakteur beim 11-Freunde-Magazin, glaubt es nicht. Wenn man es genau bedenkt, erscheint es offensichtlich, dass ein Terrorist Mittel und Wege finden kann, sowohl die Identität auf einer Eintrittskarte, als auch persönliche Papiere zu fälschen.

​"Ich glaube, dass man Personenkontrollen sorgfältiger machen kann, als das in vielen Fußballstadien passiert. Dieses nachlässige Abtasten, was man kennt, sollte man intensivieren."

Im Gespräch ist auch das Einführen von Bodyscannern. Bisher werden Fußballfans oft nur beiläufig abgetastet, bevor sie ins Stadion kommen. Aber zu viel Kontrolle könnte den Spaßfaktor beim Spiel auch stören.

"Fußballkultur lebt von Spontaneität. Ich glaube, wenn man fünf Stunden vorher kommen und durch drei Bodyscanner durchgehen muss, dann entsteht eine Athmosphäre, in der diese Spontaneität nicht mehr blühen kann."

Keine inszenierten Trauer-Choreografien

Philipp Köster und Jens Kirschneck sprechen sich auch dagegen aus, nach den Anschlägen von Paris Trauerbekundungen der Fans zu planen oder zu choreografieren. Jeder sollte das für sich selbst entscheiden, meinen sie. Jens Kirschneck sagt: "Ins Stadion zu fahren und sich dort ein bisschen gehen zu lassen, ist ja auch ein Statement für Freiheit."

"Überlasst den Zuschauern doch selber, ob sie trauern wollen und wie sie trauern wollen und versucht nicht alles in eure komischen Marketingstrategien reinzupacken."