Wenn ihr aus einem Corona-Risikogebiet im Ausland nach Deutschland zurückkommt, müsst ihr das melden. Seit Kurzem gibt es dafür auch eine offizielle Website. Problem: Für die Eingaben dort ist keine Authentifizierung notwendig.

Wer per Flugzeug nach Deutschland einreist, kommt um die obligatorische Meldung nicht herum. Bei anderen Szenarien, etwa per Bahn oder Auto, werdet ihr nur per Hinweis ermahnt. Egal wie: Die Einreisemeldung ist Pflicht, wenn ihr aus einem Risikogebiet zurückkommt. Seit Kurzem müssen sich Rückreisende auf der Webseite www.einreiseanmeldung.de registrieren.

Missbrauch möglich

Doch mit der Seite gibt es ein Problem, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat: Eine wirksame Authentifizierung findet dort nämlich nicht statt.

"Es sieht aktuell so aus, dass ich irgendeine Person völlig problemlos als Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet auf der Webseite melden könnte - ohne dass da geprüft wird, ob diese Meldung auch authentisch ist."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Es lassen sich andere Personen melden, ohne dass wirksam nachgeprüft wird, ob die Angaben stimmen. Bei Missbrauch dieser Möglichkeit könnten die Konsequenzen erheblich sein – bzw. der Ärger, alles wieder aufzuklären, groß.

Denn wer aus einem Corona-Risikogebiet nach Deutschland einreist bzw. zurückkehrt, muss seit dem 8. November obligatorisch zehn Tage in Quarantäne. Wenn es keine notwendige und vom Arbeitgeber angeordneten Dienstreise ist, sondern eine bewusste Urlaubsreise in ein Risikogebiet, entfällt inzwischen auch die Lohnfortzahlung für den Arbeitnehmer.

Wir machen den Selbsttest

Unser Netzreporter hat den Selbsttest gemacht: Auf www.einreiseanmeldung.de hat er zunächst eine Region eingegeben, in der er (in der Theorie) war. Da diese vom System als Risikogebiet erkannt wurde, musste er im nächsten Schritt seine persönlichen Daten eingeben: Name, Wohnort, Telefonnummer, Email, und – optional – seine Ausweisnummer.

Danach wurde noch der Aufenthaltsort der nächsten zehn Tage abgefragt sowie eventuelle Mitreisende. Im letzten Schritt hätte er das Ganze dann losschicken und damit an das zuständige Gesundheitsamt übertragen können. Das hat er nicht getan. Aber er hätte es tun können, auch mit einer anderen Identität.

Gefahr nur theoretisch?

Mögliche Folge: Ein Anruf vom Gesundheitsamt bzw. auch Probleme mit dem Arbeitgeber wären denkbar. Grundsätzlich müsste die oder der Betroffene dann erst mal nachweisen: Das war ein Fake, ich war gar nicht im Ausland. Das braucht Zeit, ist ärgerlich und lästig.

Dass die Gefahr nur rein theoretisch existiert, glaubt unser Netzreporter nicht. Falsche Einträge auf der Website wären zwar ganz klar missbräuchlich. Doch könne nicht ausgeschlossen werden, dass bestimmte Menschen auf diese Weise Sand ins Getriebe streuen könnten. Menschen, die die aktuelle Corona-Politik strikt ablehnen.

"Es gibt eine sehr breite Fraktion in der Bevölkerung, die die aktuellen Maßnahmen als nicht angemessen betrachten und da vielleicht auf diese Weise Sand ins Getriebe streuen würden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Was auf der Hand liegt: Die Website könnte nachgebessert werden. Eine Anfrage unsererseits an das zuständige Robert-Koch-Institut läuft.

Letztlich sei das Ganze auch eine Abwägung, sagt Michael Gessat. Denn bei einer Authentifizierung oder Verifizierung würde der ganze Prozess natürlich auch komplizierter. Und vielleicht steigen bestimmte Personengruppen dann wieder aus - zumal die Einreisemeldungspflicht ja ohnehin nicht wirklich flächendeckend überprüfbar ist.