Marlene heißt die Protagonistin des dritten Buchs "Super, und dir?" von Kathrin Weßling. Die weiß, wie man glücklich sein mimt, nicht, aber wie man Glück findet und festhält.

Marlene ist dreißig Jahre alt, als sie den Job ihres Lebens ergattert. Oder etwas genauer gesagt: Es ist die Vorstufe zum Job ihres Lebens. Sie ist für ein Jahr lang Volontärin im Unternehmen ihrer Wahl. Dafür hat sie das Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,1 abgeschlossen. 

Dafür hat sie studiert - dafür lebt sie 

Die 70-Stunden-Woche steckt sie ebenso weg, wie das kurzfristige Verschieben ihres lang geplanten Urlaubs: Sie fühlt sich erschöpft und ergibt sich ihrem Schicksal. 

"Super, und dir?" heißt der dritte Roman von Kathrin Weßling  – und zitiert damit die ewig gültige Standardlüge, die ihre Protagonistin Marlene Beckmann stets als Antwort getarnt durch ihre zum demonstrativen "Ich-bin-krass-geil-glücklich-Lächeln" aufgereihten Zähne drückt, wenn sie nach ihrem Befinden gefragt wird. Marlene geht es scheinbar immer gut.

In Wirklichkeit weiß sie noch nicht, wie es sich anfühlt, glücklich zu sein und wie man diesen Zustand erreicht.

Strategie der Optimierung statt glücklich sein

Und weil Marlene schon als Kind gelernt hat, dass man über bestimmte Dinge nicht spricht, verfolgt sie stattdessen die Strategie der Optimierung. Wenn der Job scheiße ist, muss sie eben ihre Einstellung dazu ändern. Wenn Maya gesünder aussieht, muss Marlene eben öfter ins Fitnessstudio, um "mithalten" zu können. 

Und wenn ihr eine Kollegin im Aufzug ein Handyfoto vom neu geborenen Baby zeigt, sagt Marlene: Voll süß. Aber eigentlich meint sie : Leck' mich. 

"Marlene geht es super, wenn sie sich selbst dabei vergisst."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Autorin

Auf Marlenes Handy sind keine Babyfotos. Auf ihrem Handy sind allenfalls Spuren von der letzten Flucht aus dem Elend. Reste von feinem weißen Pulver. Ein bisschen Koks, das geht schon klar. Es besänftigt und beflügelt, es verschließt die falschen und öffnet die richtigen Türen im Kopf, alles gleichzeitig. Marlene geht es super, wenn sie sich selbst dabei vergisst. Und so wird das Koksen zum täglichen Ritual. 

Mehr Rausch, weniger Marlene 

Ein Gedanke, der sie tröstet, ein Zustand, der sie killt. Und es ist im Grunde schon zu spät, als sie endlich sagt: Ich brauche Hilfe.

Das Buch:

"Super, und dir?" von Kathrin Weßling, Ullstein (ullstein fünf), 254 Seiten, gebundene Ausgabe: 16,00 EUR, eBook: 13,99 EUR