In dem westafrikanischen Staat treten immer noch neue Ebola-Fälle auf. Wie sich das Land seit dem Ausbruch der Krankheit vor über einem Jahr verändert hat, berichtet unser Reporter Oliver Ramme.

Anfang 2014 wurde von den ersten Ebola-Opfern in Westafrika berichtet. Schnell verbreitete sich die Infektionskrankheit vom Südosten Guineas auf die benachbarten Länder Sierra Leone und Liberia. Dann folgten erste Fälle in Nigeria, Senegal und Mali. Von den 26.969 mit Ebola infizierten Menschen starben 11.135 an dem Ebolafieber.

Immer wieder neue Ebola-Fälle

Nach über einem Jahr nach Ausbruch der Ebola-Epidemie ist unser Reporter Oliver Ramme nach Sierra Leone gereist. Die WHO meldet inzwischen, dass Liberia Ebola-frei sei. In Sierra Leone treten immer noch neue Fälle mit Ebolafieber auf. Oliver war in dem Dorf Kallia. Von den 400 Einwohnern sind 40 an Ebola gestorben. Das ganze Dorf stand über einen Monat unter Quarantäne. Wie haben die Menschen dort die Epidemie erlebt?

Viele Dorfbewohner haben entweder selbst Familienangehörige verloren oder kennen zumindest Menschen aus ihrer unmittelbaren Umgebung, die an dem Ebolavirus erkrankt sind. Die ständige Gefahr, sich anzustecken, und die Angst davor, womöglich an der Krankheit zu sterben, hat einen starken seelischen Druck erzeugt, der auf den Menschen lastet, sagt Oliver.

"Wir haben im Haus Abstand gehalten, sogar ich von meiner Frau. Es war grausam. Du bist am Morgen aufgestanden und dachtest: Heute ist dein letzter Tag. Das dachten alle: Morgen bist du tot!"
Chief des sierra-leonischen Dorfes Kallia

Oliver war danach in der Hauptstadt Freetown. Immer noch werden die Menschen auf ihren Gesundheitsstatus kontrolliert und wo nötig verhängen die Behörden Quarantäne. In einem Slum stand Oliver plötzlich vor einem Absperrband, das quer über eine Gasse gezogen war. Dahinter Menschen in Quarantäne, die nicht rausdürfen, nicht arbeiten gehen können, Kinder, die nicht zur Schule gehen dürfen. Die Menschen sind müde von Ebola, sagt Oliver. Deshalb werden sie allmählich nachlässig, berühren sich vielleicht zufällig oder unbewusst, arbeiten zusammen oder benutzen Transportmittel wie Sammeltaxis. So kommt es immer wieder zu neuen Ansteckungen.

"Keiner durfte seine Hütte verlassen. Eine ganze Familie lebt darin - vielleicht zehn Leute. Diese Hütten sind sehr klein, dunkel, heiß und stickig. 42 Tage darin eingesperrt zu sein, ist schon viel."
Oliver Ramme, DRadio-Wissen-Reporter

Diejenigen, die überlebt haben, in Sierra Leone waren es 60 Prozent der Infizierten, waren nach ihrer Rückkehr in ihre Dörfer Ausgestoßene, Niemand wollte ihnen glauben, dass sie wieder gesund sind. Inzwischen hat sich die Haltung geändert und die Überlebenden werden als Helden gefeiert und für riskante Tätigkeiten in Ebola-Gebieten eingesetzt, weil sie immun sind. Beispielsweise betreuen sie Kinder, die unter Beobachtung stehen, weil ihre Eltern an Ebola erkrankt sind. Das Leben der Ebola-Überlebenden verläuft heute nach der Krankheit ganz anders als noch vor einem Jahr.

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