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Der Silberpreis geht komplett durch die Decke. Spoiler: Es liegt nicht an Silberbesteck und Silberschmuck. Die Treiber sind KI, marode Minen, Energiewende, Elektronik – und ein Fest in Indien. Bo und Gregor gehen der Sache auf die Spur.

Lange galt Silber als eher langweiliges Edelmetall. Der Preis lief seitwärts, die Aufmerksamkeit lag auf Gold. Doch das hat sich geändert. Silber ist heute ein Industriemetall – und zwar ein zentrales. Kein anderes Metall leitet elektrischen Strom so gut. Deshalb steckt es in Solarzellen, E-Autos, Elektronik, Rechenzentren – quasi überall.

Mehr Nachfrage bedeutet nicht gleich mehr Angebot

Der steigende Bedarf trifft auf ein Problem: Silber lässt sich nicht beliebig schnell nachproduzieren. Silber ist in den meisten Fällen ein Nebenprodukt. Es wird meist dort gefördert, wo eigentlich andere Metalle wie Kupfer, Zink oder Gold im Fokus stehen. Die Förderung lässt sich also nicht einfach hochfahren, nur weil die Nachfrage steigt.

"Bei einer Mine ist jetzt nicht unbedingt ein Lichtschalter, den kann ich nicht einfach anknipsen. Wir reden da von Vorlaufzeiten von zehn bis 15 Jahren."
Stephan Kemper, Chefinvestmentstratege BNP Paribas

Gleichzeitig wird Silber politisch immer wichtiger. In den USA wurde es zuletzt offiziell als kritischer Rohstoff eingestuft und ist damit ein strategisch wichtiges Industriemetall. Das signalisiert: Hier geht es nicht um einen kurzfristigen Hype, sondern um eine strukturelle Veränderung des Marktes.

Ein überraschender Preistreiber: ein Fest in Indien

Doch Industrie und Politik erklären den Silberboom nicht vollständig. Ein Teil der globalen Silbernachfrage entsteht weit entfernt von Hightech und Energiewende. Im Herbst 2025 kam ein weiterer, oft unterschätzter Faktor dazu: Rund um die nationalen Feste Dhanteras und Diwali kaufen in Indien traditionell Millionen Menschen Gold und Silber – Schmuck, Münzen, Barren. Alles, was glänzt.

2025 fiel diese Nachfrage besonders stark aus. Gold war für viele Menschen unbezahlbar geworden, Silber dagegen blieb vergleichsweise erschwinglich. Und obwohl die Preise deutlich gestiegen waren, wurde während der Festivalphase so viel Silber gekauft, dass Händler berichteten, sie seien ausverkauft.

Silber ist da – aber nicht verfügbar

Ein großer Teil des weltweiten Silbers ist zwar physisch da, aber nicht frei verfügbar. Es liegt gebunden in ETFs und Tresoren oder steckt längst verbaut in Technik: in Solaranlagen, Autos, Elektronik. Dieses Silber ist dem Markt faktisch entzogen. Wenn plötzlich viel physisches Silber gebraucht wird, konkurriert die Nachfrage nicht um das gesamte Angebot, sondern um einen deutlich kleineren Rest. Genau das macht den Markt so anfällig und treibt die Preise weiter nach oben.

Steigende Silberpreise bleiben nicht ohne Folgen. Wird Silber teurer, steigen auch die Kosten für Solarzellen, E-Autos und elektronische Geräte. Besonders in der Photovoltaik (PV) ist der Bedarf enorm.

"Dieses Jahr wurden 6.700 Tonnen Silber für die Herstellung von PV-Modulen verwendet. Wenn man sich das mal überlegt: Das sind 18,7 Tonnen pro Tag. Das entspricht ungefähr dem Gewicht von drei Elefanten."
Andreas Lorenz, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Für viele Anwendungen gibt es kurzfristig kaum Ausweichmöglichkeiten. Der Engpass ist damit nicht abstrakt – er trifft Schlüsselindustrien direkt und wirkt auf den Umbau unseres Energiesystems. Gleichzeitig wächst der Druck, den Verbrauch zu senken.

In Forschung und Industrie werden neue Ansätze vorangetrieben, um den Silberverbrauch deutlich zu reduzieren – vor allem in der Solarbranche. Statt reiner Silberkontakte kommen zunehmend Kombinationen mit Kupfer zum Einsatz. Ziel ist es, den Materialbedarf schnell und spürbar zu senken.

"Der Druck ist in der PV-Industrie enorm hoch, Silber stark und schnell zu reduzieren und durch andere Materialien zu ersetzen. Ich gehe davon aus, dass man den Silbergehalt in den nächsten ein, zwei, drei Jahren senken wird."
Andreas Lorenz, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Langfristig könnte das den Druck auf den Silbermarkt mindern. Kurzfristig aber bleibt Silber ein limitierender Faktor – für Technik, Industrie und Energiewende. In dieser Folge "What the Wirtschaft?!" sprechen Gregor und Bo über einen Rohstoff, der plötzlich überall fehlt.

Habt ihr auch manchmal einen WTF-Moment, wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht? Wir freuen uns über eure Themenvorschläge und Feedback an whatthewirtschaft@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Silberboom
Warum das Edelmetall gerade so abgeht
vom 29. Januar 2026
Hosts und Autoren: 
Gregor Lischka und Bo Hyun Kim
Produktion: 
Andreas Fulford
Redaktion: 
Michael Böddeker
Experte: 
Stephan Kemper, Chefinvestmentstratege BNP Paribas
Experte: 
Andreas Lorenz, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
  • Silberpreis - Wie sehr und wieso steigt er gerade?
  • Diwali - Warum auch das indische Lichterfest den Silberpreis beeinflusst
  • Mögliche Lösungen für den Silbermangel
  • Fazit / Wahres für Bares
Die Quellen zur Folge:
  • The Silver Institute: Silver demand forecast to expand across key technology sectors, Silver Institute, 09.12.2025.
  • Jadhav, Rajendra: Explainer: What’s causing the silver shortage in India this festive season?. Reuters, 13.10.2025.
  • Jadhav, Rajendra: Record gold prices shift Indian festive demand toward coins over jewellery. Reuters, 18.10.2025.
  • The Silver Institute: Silver supply & demand. Silver Institute.
  • Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE: Silizium-Heterojunction-Solarzellen mit Rekordeinsparung an Silber realisiert. Fraunhofer ISE, 08.05.2025.