Obwohl Computer immer mehr Teile unseres Alltags bestimmen, ist die IT immer noch eine klassische Männerdomäne. Die feministische Aktivistin Valerie Aurora will das ändern.

Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom arbeiten gerade mal 15 Prozent der Frauen in der deutschen IT-Branche. Im Silicon Valley sieht es ähnlich aus. Das könnte eine Ursache für den verbreiteten Sexismus in vielen Tech-Unternehmen sein. Um daran etwas zu ändern, hieß es bisher immer: Es müssen einfach mehr Frauen Karriere in der IT machen, dann ändert sich das.

Annäherung im Silicon Valley

Valerie Aurora sagt dazu: Quatsch. Reicht nicht. Und geht einenanderen Weg. Die feministische Aktivistin ist Gründerin von FrameShift Consulting, einer Tech-Beratungsfirma, die den Firmen im Silicon Valley mehr Inklusion beibringen will. Aurora möchte Männer in der IT-Branche dazu bewegen, Frauen nicht herabzusetzen oder sexuell zu belästigen.

Valerie weiß genau, was es heißt, als Frau in einer männerdominierten Betriebskultur zu arbeiten: Sie hat zehn Jahre lang als Entwicklerin für Open-Source-Software gearbeitet. Heute gibt sie mit ihrer Beratungsfirma Seminare im Silicon Valley, in denen sie Männern und Frauen beibringt, wie sie ihr gesellschaftliches Privileg nutzen können, um anderen zu helfen.

"Es geht in den Seminaren generell darum, eine Betriebskultur zu schaffen, in der eine Gruppe von Menschen nicht eine andere herabsetzt."
Martina Schulte, DRadio Wissen

Auch Frauen sind ja manchmal in einer privilegierteren Situation gegenüber anderen Minderheiten, etwa gegenüber Menschen mit Behinderung oder in einer Gruppe, in der drei Frauen und ein Mann zusammenstehen.

"Verbündeten-Training"

Valerie bietet Workshops an, zum Beispiel bei Google, die sich nicht an die Donald Trumps dieser Welt richten, sondern an Menschen, die lernen wollen, wie man die Ausgrenzung oder Herabsetzung bestimmter Gruppen erkennt und was man praktisch dagegen tun kann. Wie beispielsweise ein Mann Frauen vor Sexismus durch andere Männer schützt kann. Das üben die Teilnehmer in Rollenspielen.

"Wenn es in der Teeküche zu klassischen 'Männer-Gesprächen' kommt, dann kann Mann auch mal sagen: 'Hey, so reden wir hier nicht übereinander!'"
Valerie Aurora, Gründerin der Beratungsfirma "Frame Shift Consulting"

In den Seminaren lernen die Teilnehmer auch, auf Sprache zu achten - also zum Beispiel, Frauen über 18 nicht mehr als "girls" zu bezeichnen. Oder dafür zu sorgen, dass in Konferenzen jeder die Möglichkeit bekommt, sich zu Wort zu melden.

"Lean in" langt nicht

Im Silicon Valley hieß es bisher immer, nach dem berühmten Buch von Facebook-Vize Sheryl Sandberg: "Lean in!" Die Frauen sollten sich reinlehnen in die Männerwelt - und dadurch die Betriebskultur verändern. Doch genau dieser Ansatz ist falsch, sagt Valerie Aurora. Er würde nämlich die Verantwortung, etwas zu ändern, den Frauen aufbürden.

"Das Verbündeten-Training verlangt von den Leuten mit Privilegien, ihr Verhalten zu ändern. Das genaue Gegenteil von Lean In."
Martina Schulte

Ihre Workshops gibt Aurora mittlerweile bei Google, Square, Slack, Spotify oder Yelp. Ob ihre Workshops eine ganze Betriebskultur ändern können, bleibt abzuwarten. Vielleicht wollen sich die Chefs mit den Workshops auch nur billig das Problem vom Hals schaffen, dass sie ja eigentlich mehr Diversität in ihren Tech-Schmieden brauchen. Die Richtung Auroras scheint jedenfalls zu stimmen. Im Guardian berichten Teilnehmer dieser Workshops, dass sie sich jetzt mehr für andere einsetzen. Erste kleine Erfolge...