Am 6. April 1994 schrecken die Menschen in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, auf. Gegen 20:30 Uhr hören sie eine schwere Explosion am Flughafen. Schnell stellt sich heraus, dass ein Flugzeug im Landeanflug von einer Rakete getroffen wurde und explodiert ist. Und ein erbarmungsloses Massaker beginnt, bei dem schätzungsweise rund eine Million Tutsi von Hutu getötet werden. 

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht, dass die Präsidenten von Ruanda und dem Nachbarland Burundi an Bord waren. Die beiden Präsidenten hatten im benachbarten Tansania über einen Friedensprozess zwischen den verfeindeten Ethnien der Hutu und der Tutsi verhandelt. Nach dem Anschlag ziehen Hutu mit Macheten bewaffnet durch das Land und töten Hunderttausende Tutsi. Eine Aussöhnung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen Hutu und Tutsi scheint in unvorstellbare Ferne zu rücken.

Dancila Nyirabazungu ist eine Überlebende und eine der Kuratorinnen des Genozid-Denkmals in der Queen of the Apostles Kirche von Ntarama.
© dpa
Dancila Nyirabazungu ist eine Überlebende und eine der Kuratorinnen des Genozid-Denkmals in der Queen of the Apostles Kirche von Ntarama.
"Heute ist man sehr darauf bedacht, Mandate so zu gestalten, dass Blauhelmsoldaten eine erweiterte Selbstverteidigungsbefähigung haben. Das bedeutet, wenn die Zivilbevölkerung neben ihnen massakriert wird, dann sind sie schon in der Lage einzugreifen, und Waffen einzusetzen."
Marcel Bohnert, Major im Generalstab, welche Lehren aus dem Genozid an den Tutsi für spätere Blauhelm-Einsätze gezogen wurden.

Die extremistische Hutu-Bewegung hat viel Macht in Ruanda und fühlt sich durch eine Rebellenarmee der Tutsi im Norden des Landes bedroht. Das Attentat auf Präsident Juvénal Habyarimana war der Auslöser für den unmittelbar darauf beginnenden Völkermord der Hutu an den Tutsi. Unter den Augen der hilflos zuschauenden Weltöffentlichkeit werden bis Mitte Juli 1994 schätzungsweise zwischen 800.000 und einer Million Menschen umgebracht.

Den meisten Opfern werden mit Macheten die Köpfe abgeschlagen, weder Frauen noch Kinder sind von dem Massaker ausgenommen, auch UN-Blauhelm-Soldaten gehören zu den Todesopfern. Sowohl die Vereinten Nationen als auch westliche Länder wurden anschließend wegen Untätigkeit und unterlassener Hilfeleistung kritisiert.     

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Jurist und Sprachwissenschaftler Gerd Hankel hat sich mit der Geschichte des Völkermords in Ruanda beschäftigt und erläutert einige der Hintergründe des Genozids.
  • Marcel Bohnert, Major im Generalstab, erläutert Möglichkeiten und Grenzen von UN-Blauhelm-Einsätzen. 
  • Die ARD-Korrespondentin Linda Staude berichtet über die Lage in Ruanda 25 Jahre nach dem Völkermord.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die konfliktträchtige Vergangenheit der beiden Ethnien - Hutu und Tutsi - in Ruanda seit Beginn des 20. Jahrhunderts. 
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries schildert Beginn und Verlauf des Genozids in Ruanda.

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