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Am 6. April 1994 begann in Ruanda der Völkermord an den Tutsi und Hutu. An diesem Tag war das Flugzeug des damaligen Präsidenten von Ruanda beim Landeanflug abgeschossen worden - von wem, weiß man bis heute nicht.

Eine Hutu-Elite in Militär und Politik nutzte den Flugzeug-Abschuss aus - und begann mit der systematischen Ermordung der Tutsi-Minderheit im Land. Aber nicht nur die Tutsi - auch Vertreter der eigenen sozialen Gruppe wurden zum Opfer: die Hutu, deren Einstellung der Elite nicht radikal genug war.

Innerhalb von 100 Tagen wurden 800.000 Menschen ermordet - das sind mehr als 300 Menschen pro Stunde. Am 6. April ist das 20 Jahre her - seitdem verordnen alle Regierungen Ruandas Versöhnung. Inzwischen steht mit Paul Kagame ein Tutsi an der Spitze des Staates. Ob er unabhängig die Aufklärung der Verbrechen vorantreiben kann, weiß unsere Korrespondentin Antje Diekhans.

"Das ist natürlich tatsächlich schwierig. Es gibt aber unabhängige Gerichtsbarkeiten - als oberste Gerichtsbarkeit das sogenannte Völkermord-Tribunal, das extra dafür eingerichtet wurde und in Tansania sitzt."
Antje Diekhans, ARD-Korrespondentin

Tiefe Wunden

In der Bevölkerung sind die Wunden, die vor 20 Jahren entstanden sind, kaum zu heilen. Das wird einem erschreckend klar, wenn man dem Bericht von Angelique K. lauscht - Antje Diekhans hat mit der Tutsi gesprochen. 1994 war Angelique gerade Anfang 20. Und musste zusehen, wie ihre Familie und ihre Freunde umgebracht wurden - in einer Kirche, in der sie Zuflucht gesucht hatten.

Angelique überlebte - wenn man das so nennen kann: Sie wurde von der Miliz verschleppt und über Wochen immer wieder vergewaltigt.

Verurteilung in Deutschland

Einer der mutmaßlich Hauptverantwortlichen für das Massaker in der Kirche, ein ehemaliger ruandischer Bürgermeister, stand im Februar 2014 in Deutschland vor Gericht - er war Flüchtling, als er angeklagt wurde. Das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt: 14 Jahre Haft wegen Beihilfe zum Völkermord. Für Angelique ist das zu wenig.

"Ich bin nicht zufrieden. Er hätte als Täter verurteilt werden müssen. Auch wenn er selbst nicht mordete, hat er doch alles organisiert. Ich weiß, dass ich eigentlich mein Herz öffnen und vergeben müsste. Aber das kann ich nicht."
Angelique, die beim Massaker vor 20 Jahren ihre Familie verlor