Nach dem Polizeieinsatz in der Silvesternacht in Köln diskutieren wir über Racial Profiling. Ulf Küch, Kripochef Braunschweig, hält die Kontrollen für gerechtfertigt. Der Sozialpädagoge Samy Charchira warnt davor, dass bestimmte Menschen unter Generalverdacht gestellt werden.

Polizeichef Braunschweig: "Personen, die bestimmte Attribute erfüllen, werden überprüft"

Die Kontrollen durch die Polizei in Köln waren kein Racial Profiling, sagt Ulf Küch. Er leitet die Kripo Braunschweig und ist Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Niedersachsen.

Umstritten war auch die von der Kölner Polizei in einem Tweet genutzte Abkürzung "Nafri". Der Polizeipräsident von Köln Jürgen Mathies sagt (Video der Pressekonferenz): "Der Begriff wird polizeiintern als Synonym für Männer aus Nordafrika genutzt, die seit Jahren durch besondere Gewaltbereitschaft und/oder durch die Begehung von Straftaten auffallen."

Ulf Küch, Polzeipräsident in Braunschweig sagt dazu: Das sind Abkürzungen, auch um polizeiintern deutlich zu machen, dass es sich um eine Personengruppe handelt, die mit bestimmten Attributen ausgestattet ist, sagt Küch. Mit Rassismus habe das nichts zu tun.

Ulf Küch, Braunschweiger Polizeichef
"Der Polizei hier Rassismus zu unterstellen, halte ich für hanebüchen."

Von der Polizei wurde kontrolliert, und das sei auch in Ordnung, sagt Küch. Alles andere widerspreche kriminalistischer Arbeit. Wenn die Polizei Tatverdächtige habe, so Küch, die bestimmte Attribute erfüllen, dann werden die Personen auch überprüft. Nach einer schweren Straftat, die zum Beispiel von einem asiatisch aussehenden Menschen begangen wurde, suche die Polizei gezielt nach einer asiatisch aussehenden Person - und nicht nach allen anderen, nur um politisch korrekt zu sein.

Küch fordert, die Diskussion auf ein gesundes Maß zurückführen. Klar sei, dass natürlich nicht alle Nordafrikaner kriminell seien. Genauso wenig, wie alle Flüchtlinge kriminell sind, sagt Küch. "Hier muss man sehr genau differenzieren."

Differenziert und sortiert wird auch bei den Fußball-Hooligans. Sie werden nach den Kategorien A, B und C unterteilt. "Das ist eine eindeutige Kategorisierung der Polizei, um arbeiten zu können", sagt Küch. Das läuft nach Aussehen und Outfit, auch nach Erfahrungswerten der szenekundigen Beamten, die die Hooligans teilweise kennen.

Sozialarbeiter Samy Charchira: "Menschen dürfen nicht nach ihrem Aussehen losgelöst von ihren Handlungen eingekesselt werden"

Der Sozialarbeiter Samy Charchira kritisiert den Polizeieinsatz. Er sagt: Die Polizei hätte Alternativen gehabt. Sie hätte verdachtsabhängig und weniger pauschal handeln können. "Wir glauben, dass die Polizei ausreichend präsent war, um jede aufkommende Straftat im Keim ersticken zu können, sofort die Verantwortlichen aus dem Verkehr ziehen zu können."

Die Hauptkritik bezieht sich auf die Kriterien, die die Polizei anlegt, Menschen zu überprüfen oder sogar festzuhalten. Der Braunschweiger Polizeichef weist auf die Notwendigkeit einfacher Kriterien hin, weil sonst die Polizeiarbeit nicht möglich sein.

Samy Charchira sagt: "Menschen dürfen nicht nach ihrem Aussehen losgelöst von ihren Intentionen und ihren Handlungen eingekesselt werden. Das finde ich fragwürdig."

Samy Charchira, Sozialarbeiter
"Uns geht es darum, dass die Menschen nach ihren Taten und nicht nach ihrem Aussehen polizeidienstlich behandelt werden."