Es gibt weibliche Imame. Es gibt Frauenmoscheen. Einen offen homosexuell lebenden Imam. Und: Im Islam gibt es eine Gegenbewegung zur sexistischen Auslegung der Religion durch Salafisten. Sineb El Masrar erklärt uns ihre Religion.

Vor Kurzem haben in der Schweiz zwei Schüler ihrer Lehrerin den Handschlag verweigert - weil sie sich am Propheten Mohammed orientieren würden. Tja. Unsere Gesprächspartnerin Sineb El Masrar ist gläubige Muslima und sie schüttelt Männern die Hand. "Der Berührungswahn ist eine neue Entwicklung", erklärt sie. "In Indonesien geben sich die Leute die Hand, es ist nicht ungewöhnlich."

Eine Religion, viele Interpretationen

Sineb tritt für eine neue Interpretation des Islam ein. Manche Regeln seien vor allem durch die Entstehungszeit des Koran erklärbar. Zum Beispiel die Sache, dass ein Mann mit bis zu vier Frauen verheiratet sein darf: "Aber auch da gibt es eine Einschränkung: Du musst garantieren, dass du alle gleich behandelst. Das kann man ja kaum. Die eigentliche Intention war damals, Frauen zu schützen."

"Wenn ein Gelehrter ein kleiner Sexist ist, dann wird er dafür sorgen, dass seine Sicht in seiner Gemeinde verbreitet wird. Andere Gelehrte fassen Verstand und Religiösität nicht als Widerspruch auf."
Sineb El Masrar

"Der Islam ist nicht der Salafismus", sagt Sineb El Masrar. So gibt es in islamischen Ländern Frauenbewegungen. Weibliche Imaninnen, In Dänemark gibt es eine Frauenmoschee und in Frankreich einen Imam, der offen homosexuell lebt. Und in Berlin traut eine Imamin Paare, die verschiedene Religionen haben. Aber diese Gegenbewegungen sind noch klein: "Allerdings gibt es die Gefahr, dass man sehr schnell aus der Familie und der Gemeinde raus ist."