Wenn ein Produkt in den großen Discountern auftaucht, dann ist es endgültig im Mainstream angekommen. Jüngstes Beispiel: Wasser in Sprühflaschen. Warum kauft das irgendjemand?

Es gibt Produkte, an denen kommt kaum jemand von uns vorbei. Toilettenpapier zum Beispiel. Und dann gibt es Produkte, bei denen müssen wir schon eine ganze Weile überlegen, warum wir dafür Geld ausgeben sollten. Wasser in Sprühflaschen wäre ein solches Produkt. Ein teures obendrein: Hochgerechnet kostet ein Liter Sprühwasser bis zu 140 Euro.

"Natürlich könnte man sich in dem Moment auch sagen: Das könnte ich auch selber machen. Aber der Gedanke ist in dem Moment sehr weit weg."
Michaela Wänke, Konsumentenpsychologin an der Uni Mannheim

Schon klar: Wenn es heiß ist, können wir uns das Wasser ins Gesicht sprühen und das ist angenehm erfrischend. Und der mit Stickstoff und Wasser gefüllte Druckluftbehälter erfreut sich mittlerweile weltweit immer größer werdender Beliebtheit. Aber das Wässerchen kann sich jede und jeder von uns auch selber machen: Das ist billiger und besser für die Umwelt sowieso, wenn wir eine eigene Sprühflasche mehrmals benutzen.

Teuer und schlecht für die Umwelt

Denn ökologisch sind Sprühdosen schwierig: Um Aluminium herzustellen muss das Erz Bauxit abgebaut werden. Dabei entsteht massenhaft Rotschlamm. Der ist giftig für Mensch und Umwelt.

Das ist beim Konsum aber zweitrangig, sagt Michaela Wänke, Konsumentenpsychologin an der Uni Mannheim: "Man ist für Umweltschutz oder für soziale Verträglichkeit und gegen Kinderarbeit und hat hohe moralische Ansprüche." Aber beim Konsum seien wir egoistisch und von eigenen Interessen geleitet.

"Ich denke, dass das eine fortschreitende Verdummung der Konsumenten ist, und man kann das Ganze nur erklären, indem den Leuten einfach ihre Gehirne aussetzen beim Einkaufen."
Ludger Heidbrink, Professor für praktische Philosophie an der Uni Kiel

Der Kauf einer Sprühflasche mit Wasser zur spontanen Erfrischung ist also eigentlich ziemlich unnützer Konsum. "Manchmal kriegt man hinterher ein schlechtes Gewissen", sagt Ludger Heidbrink, Professor für praktische Philosophie und Experte für Wirtschaftsethik an der Uni Kiel, "aber interessanterweise haben die meisten Menschen alle die Fähigkeit, sich das dann hinterher schön zu reden".

Wir lügen uns den Konsum schön

"Moralisches Rationalisieren" nennt man dieses Phänomen. Irgendeinen mehr oder weniger brauchbaren Grund für das Wasserspray findet jede und jeder, wenn er sich ein wenig Mühe gibt. Darum fordert Ludger Heidbrink: "Der Gesetzgeber muss verbieten, dass solche Produkte auf den Markt kommen."

Aber nicht nur die Politik ist gefragt, sondern auch wir Konsumenten. Denn: "Konsum ist kein unschuldiger Akt", sagt der Wirtschaftsethiker, "sondern etwas mit reichhaltigen und oftmals unangenehmen und schädlichen Folgen". Wenn wir beim nächsten Shoppen daran denken, legen wir vielleicht nicht irgendwelche Dinge, die wir gar nicht brauchen, in den Einkaufskorb.