Das Sinus-Institut zerlegt die Deutschen in Einstellungs-Mileus. Mithilfe von Befragungen clustern sie bestimmte Gruppen - etwa in "Hedonisten" oder "Konservative". Dieses Mal hat sich das Forschungsinstitut die Jugendlichen in Deutschland vorgenommen. Und die bewegen sich ziemlich gerne in der Mitte.

Noch nie waren die 14- bis 17-Jährigen so angepasst wie heute, fasst die Sinus-Jugendstudie zusammen. Rebellion und abgefahrene Subkulturen kommen bei ihnen kaum vor. Stattdessen ist "Sein wollen wie alle" die Maßgabe, "Mainstream" ist kein Schimpfwort mehr. Gleichzeitig spielen für junge Leute leistungsorientierte Werte eine große Rolle. Auch Toleranz und Vielfalt sind den befragten Jugendlichen wichtig.

Mainstream ist kein Schimpfwort

Wirklich repräsentativ ist die Studie, die regelmäßig durchgeführt wird, allerdings nicht. Lediglich 72 Jugendliche aller Schulformen wurden befragt. Mithilfe von qualitativen Interviews wollen die Forscher die Lebenswelt von Jugendlichen möglichst genau nachzeichnen. Dafür schauen sie sich auch deren sozialen, geografischen und finanziellen Background an.

Aus den gesammelten Informationen hat das Insitut schließlich acht Milieus formuliert: In der Mitte liegen beispielsweise die "Adaptiv-Pragmatischen" - der angepassteste Teil der Jugendlichen. Am äußeren Rand bewegen sich die "Sozialökologischen", die am ehesten offen für alternative Lebensentwürfe sind. Genauso gibt es die "Prekären" - Jugendliche, die sich trotz schlechter Voraussetzungen durchbeißen und mitreden wollen. Der Hang zum Mainstream aber lässt sich in allen acht Mileus feststellen.

Realismus statt Revolution

Freundschaft, eine gute Beziehung zu den Eltern, genauso wie ein guter Job und eine glückliche Beziehung sind Jugendlichen heute wichtig. Alles eher spießige Wünsche. Sie resultieren aus einem starken Bedürfnis nach Halt und Orientierung, sagen die Forscher. Und auch sonst ist "die Jugend von heute" realistisch bis pragamtisch unterwegs. Kinder finden sie gut, solange sie sich mit dem Job vereinbaren lassen. Und sie wissen: Ob sie ihre Ziele erreichen, hängt stark von Faktoren wie Geld und Bildung ab.