Mit einem Klick etwas gegen Frauenfeindlichkeit, mehr Radwege oder den Klimawandel tun – das suggerieren jedenfalls die Möglichkeiten im Internet. Ob Petitionen, Spendenaufrufe oder die Verbreitung eines Hashtags. Diese Art des Aktivismus nennt sich Slacktivism – und führt nur unter Umständen auch auf die Straße.

Wer früher aktiv werden wollte, musste Plakate aufhängen, auf Demos gehen und Leute überzeugen, mitzumachen. Vieles davon funktioniert heute online. Per Mausklick etwas Gutes tun und dann wieder zurücklehnen, diese Art von faulem Aktivismus nennt sich Slacktivism.

"Slacktivism, also der Aktivismus vom Schreibtisch aus, das wird manchmal vermutet, dient vor allem der eigenen Befriedigung."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Vertreterinnen und Vertreter dieser Theorie sagen: Wer nur von zuhause aus rumklickt, wird kaum auf die Straße gehen oder bei klassischen politischen Aktivitäten wie etwa einer Parteisitzung mitmachen. Der Online-Aktivismus bleibt oft losgelöst von Aktivismus im echten Leben, erklärt Deutschlandfunk Nova Reporterin Sophie Stigler.

Online-Aktivismus führt nicht zu mehr Engagement

Ein Forschungsteam aus Chile hat in einer Studie diese Theorie untersucht. Dafür haben sie 4.000 Teilnehmende über zwei Jahre lang zu ihren politischen Aktivitäten befragt. Etwa ein Drittel von ihnen waren Studierende – eine Gruppe, die in Chile tendenziell politisch sehr aktiv ist. In den letzten Jahren haben sie immer wieder massenweise für bessere Bildungschancen protestiert.

Das Ergebnis der Befragung: Diejenigen, die auf Demos und politische Versammlungen gehen, geben auch im Netz eher ihre Meinung preis. Andersrum war das nicht der Fall. Wer online aktiv war, ist später nicht eher auf die Straße gegangen.

"Auch andere Studien zeigen: Das Netz hilft eher bei der Organisation von Protesten auf der Straße, als dass es einen Anstoß liefert."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Die Ergebnisse der Studie lassen sich nicht einfach auf Deutschland übertragen, sagt unsere Reporterin. Denn von Land zu Land unterscheidet sich auch beispielsweise die generelle Bereitschaft, auf die Straße zu gehen. Aber: Die Tendenz deckt sich mit Ergebnissen aus anderen Studien.

Ob jemand an Protestaktionen teilnimmt, liegt laut diesen Studien eher daran, wie groß die Unzufriedenheit ist und ob die Person vorher schon auf Demos war. Weniger daran, ob sie auch online aktiv ist. Online findet dann eher nur die Organisation statt.

Gemeinschaftsgefühl möglich

Allerdings gibt es auch die Theorie, dass Online-Foren und Communities zwischen fremden Menschen tatsächlich ein Gemeinschaftsgefühl herstellen können. Und bei einer Untersuchung der Gezi-Proteste in der Türkei konnten Forschende durchaus eine Wechselwirkung von Online-Aufrufen und den Demonstrationen im Gezi Park feststellen.

Was allerdings zuerst da war, lässt sich schwer beurteilen. Die Forschung derzeit bleibt bei dem Fazit: Bloß politische Botschaften auf den eigenen Social-Media-Kanälen teilen und einige Online-Petitionen unterschreiben führt eher selten zu echtem Aktivismus.