Sich durch die Nachrichten der anderen scrollen, um herauszufinden was wirklich los ist, ist spannend. In zwei Smartphone-Games haben wir plötzlich das Handy eines Fremden in der Hand - und damit den Schlüssel zur Lösung des Spiels.

Das Handy eines Fremden - plötzlich hast du Zugang zu einem ganzen Leben. Anrufliste, Browserhistorie, Nachrichten, Fotos, Musik. Das ist reizvoll, besonders weil es verboten ist. Unsere Lust am Herumschnüffeln machen sich gleich zwei Handygames zu Nutze: "A normal lost phone" und "Sara is missing".

Schnüffeln erlaubt

DRadio-Wissen-Reporterin Jana Reinhardt hat die beiden Games für uns getestet. "A normal lost phone" beginnt mit der Szene, in der ein Passant ein verlorenes Handy auf der Straße aufhebt. Und schon ist der User mitten im Spiel. Das Handy des Spielers wird zu dem eben gefundenen Game-Handy.

"Du hast einen Homebildschirm mit Wetter-App, Taschenrechner, Browser, Messenger, Mails und einer Flirt-App namens 'Lovebirds'. Die Apps funktionieren wirklich und erzeugen dadurch die Illusion, dass ich ein fremdes Handy in der Hand halte."
Jana Reinhardt, DRadio-Wissen

Schnell sammeln sich die Informationen zusammen, dass das Handy einem Schüler namens Sam gehört, doch die Nachrichten geben Rätsel auf. Schnell bekommt der User das Gefühl nicht nur den Handybesitzer zu kennen, sondern auch die Leute um ihn herum. In der Messenger-App sind Nachrichten von fast 40 Leuten gespeichert. "Durch die Kurznachrichten ergibt sich schnell ein Bild, wer Sam ist, aber auch, wen er so mag und was ihn bewegt."

Indem wir uns die Informationen und Nachrichten scrollen, können wir einzelne Episoden zu einer ganzen Geschichte zusammensetzen. Wir erfahren erst durchs Stöbern, warum eine Freundin Sam als "Monster" betitelt.

Wollen wir aber noch tiefer einsteigen, müssen wir erst die Passwörter zu Sams Dating-App entschlüsseln. Und die Hinweise dafür finden wir irgendwo auf seinem Telefon. Damit der User sich nicht allzu creepy fühlt, ist das Design bewusst nicht zu realistisch gehalten. Entwicklerin Elizabeth Meyer sagt: "So that the player can step a place back and remember, it’s just a story!”

Vermisst - und es liegt in deiner Hand

Das kostenlose Spiel "Sara is missing" ist weniger zurückhaltend, wenn es darum geht, unheimlich daher zu kommen. Es taucht tief in das Horror-Genre ein und spielt mit dem Stilmittel des "Found Footage". Also gruseligen Filmszenen, die scheinbar zufällig mit wackliger Handykamera aufgenommen wurden. Solche Videos bekommt der User direkt zu Beginn des Spiels zugeschickt.

Zentraler Dreh-und-Angelpunkt ist die App Iris, eine Art Sprachsteuerung und(im Prinzip eine abgefahrene Schwester von Siri. Sie spricht mit dem User und bittet ihn, Sara zu finden. Dafür füttert sie den Spieler mit immer neuen Informationen und Videos. Die Computerstimme ist der einzige Verbündete auf der Suche nach Sara, auch Fragen kann sie beantworten.

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#saraismissing

Im Gegensatz zu "A normal lost phone" setzt "Sara is missing" voll auf Authentizität: Die Handyoberfläche sieht echt aus, die Videosequenzen sind gut gespielt und der Spieler erhält sogar Anrufe auf dem Handy. Beide Games aber ziehen den Spieler tief in das Leben eines Fremden hinein. Bei dem einen fühlt man sich eher selbst als der Schnüffler creepy, bei dem anderen wird der Gruselfaktor voll aufgedreht.