Der Lebenszyklus unserer Smartphones ist jahrelang immer kürzer geworden – deswegen haben wir uns immer schneller ein neues gekauft. Bis jetzt. Denn der Trend hat sich umgekehrt. Der Smartphone-Boom ist vorbei.

Es soll ja Menschen unter uns geben, die kaufen sich ständig ein neues Handy. Obwohl das "alte" noch wunderbar funktioniert und wir auch zufrieden damit sind. Aber das neue wollen wir einfach haben. Häufig müssen wir uns aber auch einfach ein frisches Gerät zulegen, weil das alte heruntergefallen, geklaut - oder schlicht und einfach tatsächlich "durch", also seine besten Tage mit freiem Speicher und schnellem Prozessor hinter sich hat.

Drei Monate mehr

Das Marktforschungsunternehmen Kantar Worldpanel hat sich das Smartphone-Kaufverhalten in mehreren Ländern angeschaut, unter anderem in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Ergebnis: Der Lebenszyklus eines Smartphones ist gestiegen, von 23,4 auf 26,2 Monate in den Jahren 2016 bis 2018.

"Der Lebenszyklus eines Smartphones ist gestiegen, von 23,4 auf 26,2 Monate."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Wir nutzen unsere Smartphones heute also drei Monate länger als noch vor drei Jahren. Oder anders gesagt: Wir entsorgen oder verkaufen sie weniger schnell.

Auch insgesamt gehen weniger Smartphones über die Ladentheke, sagt das Marktforschungsunternehmen Gartner. (Das lässt sich aber nicht ausschließlich auf die längere Lebensdauer zurückführen, denn es gibt ja auch viele Länder, in denen sich manche Menschen zum ersten Mal ein Smartphone kaufen.)

Smartphone-Markt um 10 Prozent geschrumpft

Von 2018 bis 2019 ist ein Rückgang um 60 Millionen Smartphones zu verzeichnen. Seit 2015 ist der Smartphone-Markt um 10 Prozent geschrumpft. Prognose: Auch in den nächsten Jahren sei keine relevante Absatzsteigerung zu erwarten. Gartner nennt folgende Gründe dafür:

  • Die neuen Smartphones bringen keinen spürbaren neuen Nutzwert
  • Sie erhöhen auch die "Effizienz der Nutzung" nicht
"Im Prinzip gibt es keine richtigen Innovationen mehr."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

An neuen Features gebe es nur immer mal wieder ein paar Kleinigkeiten, sagt unser Netzreporter – also etwa bessere Kameras oder die Face-ID statt des Fingerabdrucksensors. Wirkliche Innovationen seien das aber nicht. Am Ende des Tages machen wir mit unseren drei Jahre alten Geräten mehr oder weniger dasselbe wie mit den nagelneuen – für die wir deutlich mehr Geld hinblättern müss(t)en: Die Top-Smartphones sind in den vergangenen drei Jahren um 50 Prozent teurer geworden.

Unser Nutzungsverhalten ändert sich nicht. Die Anforderungen – Kommunikation, Medien, Fotos, Musik hören oder Ähnliches – können auch die alten Geräte gut erfüllen.