Auf dem Markt zeichnet sich ein Umbruch ab: Apps werden angeblich immer unwichtiger. Wie kommen die Experten zu diesem Urteil?

Verbesserte Kameras, schnellere Prozessoren, schärfere Displays: Auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentieren die Hersteller ihre neuen Handymodelle. Deutlich weniger dagegen wird über die Software auf den Geräten gesprochen - und das, obwohl die Nutzung von Apps scheinbar deutlich an Boden verliert.

Deutschland ist ein Sonderfall

Nach einer neuen Studie der Firma Adobe ist die Nutzung von Apps in den USA seit 2014 um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Und neue Apps kommen immer seltener auf das Smartphone. Für Deutschland gilt das allerdings nicht ganz:

"Im Vergleichszeitraum hat die App-Nutzung in Deutschland sogar zugelegt. Aber ganz klar: Deutschland ist da eine Ausnahme."
Andreas Noll, DRadio Wissen

Der Sonderfall Deutschland wird irgendwann aber auch nachziehen, ist Andreas Noll sicher. Woher aber kommt die Appmüdigkeit? Das liegt einerseits an den Sicherheitsproblemen. Mittlerweile wissen die User, dass manche Apps, gerade die kostenlosen wahre Datenschleudern sein können. Da sind wir vorsichtiger geworden, sagt Andreas.

Die großen Spieler der Branche profitieren

Vor ein paar Jahren fanden wir animierte Eieruhren oder Tagebücher für das Haustier als App noch witzig, so Andreas. Heute aber ist die Zeit des großen Ausprobierens vorbei, sagt er: "Kein Mensch braucht mehr die vierhundertste Fußball-App."

"Heute reicht anscheinend die Standardkonfiguration mit den Apps, die Google und Apple von Haus aus mitbringen. Zumal sich ja ein großer Teil der Nutzung auf Facebook, WhatsApp, Twitter und Instagram reduziert. Diese Apps müssen oft erst gar nicht installiert werden."
Andreas Noll, DRadio Wissen

Ganz neu ist die rückgängige Entwicklung allerdings nicht. Bereits 2014 gab es eine Debatte darüber, dass die große Zeit der Apps vorbei ist, so Andreas: "Es würde auch zur schnelllebigen Zeit passen. Die App-Erfolgsgeschichte begann immerhin schon 2008 mit dem Appstore". Dass die User offenbar die Lust daran verlieren, neue Apps auszuprobieren, heißt aber nicht, dass sie keine Apps mehr benutzen. Facebook- oder Youtube-Apps werden immer noch massiv genutzt.

"Für den Moment heißt das: Die großen Spieler der Branche profitieren, die freien Webentwickler verlieren. Ob es irgendwann eine Bedienung für Smartphones gibt, die nicht mit Apps funktioniert, das steht noch in den Sternen."
Andreas Noll, DRadio Wissen