Im europäischen Durchschnitt werden Smartphones deutlich länger genutzt als noch vor sechs Jahren. Das könnte daran liegen, dass auch ältere Modelle ziemlich gut sind.

Es ist der Wunsch quasi aller Smartphonehersteller: der schnelle und regelmäßige Wechsel von einem Handy zum nächsten, am besten zum Nachfolgemodell.

Doch laut einer Studie des französischen Kreditversicherers Euler Hermes gehört dieses Kaufverhalten immer mehr der Vergangenheit an. Verbraucher nutzen ihre Smartphones immer länger. Auch 5G scheint daran nichts zu ändern.

In Westeuropa tauschen die Menschen ihre Smartphones im Schnitt nach 40 Monaten aus, so Euler Hermes – das sei eine um 24 Prozent längere Nutzungsdauer als noch 2016. Die Zahl ist eine Schätzung. Im europäischen Durchschnitt ist ein Smartphone im Moment also rund dreieinhalb Jahre im Gebrauch.

"Im europäischen Durchschnitt ist ein Smartphone im Moment laut der Studie rund dreieinhalb Jahre im Gebrauch."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Konkrete Zahlen für Deutschland hat die Studie nicht ermittelt. Hierfür muss auf eine ältere Untersuchung aus dem Jahr 2019 zurückgegriffen werden. Bereits damals, vor gut zweieinhalb Jahren, hatte sich der Trend abgezeichnet, dass die Smartphonenutzer*innen keine Lust mehr haben, ohne Notwendigkeit zu oft zu tief in die Tasche zu greifen, um sich ein neues Gerät zu kaufen.

Laut der Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Kantar Worldpanel hatte sich die Smartphone-Nutzungsdauer von 2016 bis 2018 in Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich von 23,4 auf 26,2 Monate erhöht.

In den genannten Ländern haben sich die Menschen damit häufiger ein neues Gerät gegönnt als im europäischen Durchschnitt, der laut der aktuellen Studie von Euler Hermes im Jahr 2016 bei 32 Monaten lag.

"Viele Geräte sind ausgestattet mit dem, was wir so brauchen. Und die neueren Modelle bringen nicht viel mit, was wir unbedingt haben wollen oder müssen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dass wir Smartphone heute länger nutzen als früher, kann damit zu tun haben, dass die Geräte technisch praktisch ausgreift sind. Selbst drei Jahre alte Mittelklasse-Geräte laufen oft noch gut, werden mit Updates versorgt, haben eine akzeptable Kamera.

Die neuen teuren Modelle haben werden zwar weiter optimiert: Die Kamera ist (noch) besser, der Speicher (noch) größer, die Akkulaufzeit (noch) länger. Eine richtige Innovation sind diese Veränderungen aber nicht.

Dass Smartphones sich inzwischen zusammenklappen lassen, könnte eventuell dazu führen, dass demnächst wieder mehr Menschen Interesse an einem neuen Gerät haben.

Handynutzung und Klimaschutz

Die Zeichen stehen aber tatsächlich eher auf nachhaltiger Nutzung: Auf der politischen Ebene wird darüber diskutiert, dass es ein Recht auf Reparatur auch für Smartphones geben soll. Denn ein Smartphone möglichst lange zu nutzen, schützt Umwelt und Klima.

"Die größten Umweltauswirkungen im Smartphone-Lebenszyklus entstehen in der Produktion. Das heißt: Je länger wir die Smartphones nutzen, umso besser."
Ferdinand Revellio, Autor einer Doktorarbeit über nachhaltige Handynutzung

Bis zu achtzig Prozent der Umweltschäden und des CO2-Ausstoßes entstehen bei der Produktion von Smartphones, sagt Ferdinand Revellio, der seine Doktorarbeit über nachhaltige Handynutzung geschrieben hat und an der Leuphana-Universität Lüneburg forscht . Je länger wir also unser Gerät nutzen, desto besser.

Sieben Jahre statt zweieinhalb

Um herauszufinden, wie lange wir unsere Smartphones nutzen müssen, damit die Bilanz besser wird, hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen 2020 eine Studie beim Ökoinstitut in Auftrag gegeben.

Die Frage: Wieviel lässt sich an CO2-Äquivalenten und an Kosten einsparen, wenn wir ein Smartphone sieben Jahre statt nur zweieinhalb Jahre nutzen? Laut Verbraucherzentrale entspricht dieser Zeitraum auch dem Wunsch vieler Nutzerinnen und Nutzer, wie lange ihr Smartphone doch bitte halten soll.

Das Ergebnis war überzeugend: Selbst wenn man mit einrechnet, dass ältere Handymodelle nicht so energieeffizient sind wie moderne und dass Kosten für Reparaturen wie Akkuaustausch oder Displayerneuerung anfallen – es lassen sich etwa die Hälfte an CO2-Äquivalenten einsparen.

Qualität hat ihren Preis

Ein Smartphone, das sieben Jahre hält, ist aktuell aber noch nicht der Standard, auch weil Apps und Betriebssyteme so lange nicht mit Updates versorgt werden. Wer lange mit seinem Gerät Spaß haben möchte, sollte eher zu den teureren Modellen renommierter Hersteller greifen, empfiehlt Ferdinand Revellio - weil sie oft haltbarer und stabiler sind. Von sehr günstigen Geräten rät er ab.

"Die sehr günstigen Smartphones, die ich von den chinesischen Herstellern bekomme, sind meistens sehr einfach aufgebaut. Wenn sie runterfallen, geht da sofort was kaputt. Und ich bekomme auch keine Ersatzteile."
Ferdinand Revellio, Autor einer Doktorarbeit über nachhaltige Handynutzung

Wie lange ein Gerät mit Updates versorgt wird, ist von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich. Wer das Smartphone lange nutzen will, sollte die Update-Verfügbarkeit als Kaufkriterium berücksichtigen.