Früher war das normal: Wenn der Akku im Handy geschwächelt hat, kaufte man sich einen neuen und setze ihn ein – fertig! Heute stecken die Akkus fast immer festverklebt im Gehäuse. Die EU will das ändern und hat jetzt neue Vorschriften auf den Weg gebracht.

Die Europäische Union verpflichtet die Hersteller, für leicht austauschbare Akkus zu sorgen. Handys und Notebooks müssen in Zukunft also so konstruiert sein, dass auch Laien den Akku ohne größeren Aufwand wechseln können. Denn inzwischen sind die meisten Hersteller auf festverbaute Akkus umgeschwenkt, die Laien nur im Fachgeschäft austauschen lassen können.

Längere Benutzbarkeit der Geräte

Uns Nutzer*innen bringt die neue Vorschrift den Vorteil, dass wir unsere Geräte in der Regel länger werden nutzen können, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Schwächelnde Akkus sind tatsächlich ein großes Problem heutiger Handys, findet er. Zwar würden neue Handy-Modelle immer leistungsfähiger, die Unterschiede zu Vorgängermodellen seien aber häufig eher übersichtlich.

Und wer jetzt nicht immer das allerneuste Gerät mit der allerbesten Kamera braucht, der ist grundsätzlich wahrscheinlich gewillt, sein Gerät ein paar Jahre lang zu benutzen – wäre da nicht der Akku, der immer schneller schwach wird, so dass man oft irgendwann nicht mal mehr einen Tag mit einer Akkuladung schafft.

"Der Hauptimpuls für einen Handyneukauf ist für viele oft, dass der Akku nach einiger Zeit physikalisch bedingt immer schneller schlapp macht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Den neuen Akku im Fachgeschäft einbauen zu lassen, ist natürlich möglich, aber ist mit Aufwand verbunden und kostet Geld. Das schreckt den einen oder die andere sicher ab – zumal die festgeklebten Akkus mancher Modelle bauartbedingt sogar von Fachleuten nur schwer zu wechseln sind.

Besser für die Umwelt

Wenn wir die Akkus selber wechseln können, fällt weniger Elektroschrott an und die Umwelt wird besser geschützt, glaubt die EU. Die Zahl an Akkus wird ohnehin explodieren: Die Kommission rechnet mit einer Verzehnfachung der Akkus in der EU bis 2030. Da kann es nur von Vorteil sein, wenn sich die Akkus leicht entfernen und recyclen lassen.

"Die Kommission rechnet mit einer Verzehnfachung der Akkus bis 2030 quer durch die Geräteklassen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Dass die Hersteller wenig Interesse an Wechselakkus haben, ist aus Unternehmerperspektive nachvollziehbar: Schwächelnde Akkus kurbeln womöglich den Absatz neuer Handymodelle an. Die Produzenten führen aber noch weitere Argumente an:

  • Die Handys würden mit Austauschakkus automatisch klobiger und gingen schneller kaputt – die Modelle für den EU-Markt wären dann unattraktiver.
  • Angeblich würden es Wechselakkus erschweren, die Geräte wasserdicht zu machen.

Wirklich überzeugend findet unser Netzreporter diese Argumente nicht. Er geht davon aus, dass die Hersteller am Ende mitmachen. Und dann würden sie wohl kaum separate Geräte nur für den europäischen Markt herstellen, glaubt er. Dafür sei der Markt einfach zu groß. Wahrscheinlicher ist, dass die Wechselakkus in Zukunft dann auch weltweit zurückkehren.

Spätestens 2026 Wechselakkus

EU-Parlament und Mitgliedsstaaten haben sich vorläufig auf neue Nachhaltigkeitsrichtlinien für Batterien geeinigt. Mehr Recycling und Kreislaufwirtschaft wurde vereinbart. Dass dieser Kompromiss jetzt auch offiziell angenommen wird, ist Formsache und sollte noch in den kommenden Wochen passieren, sagt Andreas Noll.

Ab diesem Moment haben die Hersteller dann dreieinhalb Jahre Zeit für die Umsetzung. Spätestens 2026 sollten neue Handys und Laptops dann also Wechselakkus haben.

  • Moderation:  Steffi Orbach
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter