Social Bots - also automatisierte Fake-Accounts - mischen sich auf Facebook und Twitter mit rassistischen Äußerungen in die Flüchtlingsdebatte ein.

Simon Hegelich leitet das Projekt “Social Media Forensics”. Mit seinem Team enttarnt er Social Bots. Das sind Accounts in den sozialen Medien, die sich als Menschen ausgeben und mit Kommentaren Shitstorms verursachen oder rassistische Propaganda betreiben.

"Wir haben in Siegen einen Algorithmus entwickelt, der anhand der Avatar-Bilder versucht zu entscheiden, ob ein Nutzer auf Twitter ein Bot ist oder nicht."

"Wir sind uns ziemlich sicher, dass Bots auf der Facebook-Seite der CSU ausländerfeindliche Kommentare posten", sagt Simon Hegelich. Allerdings ist es schwierig diese Fake-Accounts zu erkennen, und daher seien sie sehr gefährlich, da sie durch ihre Einmischung auch den politischen Kurs eines Landes manipulieren können.

So kann sich der Forscher durchaus vorstellen, dass manchen Parteien eine Analyse der Stimmungen im Netz vorgelegt wurden, sie anhand derer sahen, dass "die Stimmung kippt" und daraufhin ihre Politik änderten. Das wiederum könnte dazu führen, dass sich die Stimmung auch in der realen Welt ändert. Social Bots hätten also zumindest zum Teil die politische Stimmung in Deutschland und anderen Ländern beeinflusst.

"Wenn wir uns auf Twitter anschauen, wer den Hashtag "Refugees Not Welcome" oder "Pegida" nutzt, finden wir Spuren von Bot-Netzen, die eigentlich in den USA tätig sind."

Es gibt nur grobe Schätzungen, wie viele Bots auf Online-Portalen wie Twitter, Facebook und Instagram unterwegs sind. Facebook geht davon aus, dass es sich bei rund 15 Millionen Accounts um Bots handelt, bei Twitter sollen es ähnlich viele sein. Darunter befinden sich auch seriöse Bots, die etwa Wetterberichte und Lokalnachrichten teilen (und von denen bekannt ist, dass sie welche sind).

"Möglicherweise interagieren rechte Gruppierungen aus den USA weltweit in den sozialen Netzwerken und helfen sich gegenseitig, um Debatten zu beeinflussen. Vielleicht wurden die US-Bots aber auch von sich aus auch in Deutschland aktiv. Genau lässt sich das nicht feststellen."
Martina Schulte, DRadio Wissen