Punkte, Kommata oder Ausrufezeichen – Satzzeichen scheinen es vor allem auf Whatsapp und Co. schwer zu haben. Dabei sind sie gerade dort wichtig und gewinnen an neuer Bedeutung. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz hat sich die Evolution der Satzzeichen genauer angeschaut. 

Drei Jahre lang haben Sprachwissenschaftler der Universität Hamburg das Online-Kommunikationsverhalten von jungen Menschen untersucht. Dafür haben die Forscher mehr als 10.000 Nachrichten analysiert. Das Ergebnis: Satzzeichen sind nicht vom Aussterben bedroht – im Gegenteil. Auf sozialen Plattformen entstehen neue Regeln.

Online-Kommunikation: Satzzeichen drücken Gefühle aus

Unsere Reporterin Verena hat mit Florian Busch gesprochen. Er hat die Studie mit betreut und in seiner Doktorarbeit Chatnachrichten von Schülerinnen und Schülern aus Hamburg und Schleswig-Holstein ausgewertet. Florian Busch sagt: Satzzeichen werden auch weiter an vielen Stellen so genutzt, wie wir es von den Rechtschreibregeln kennen, um unsere Sprache zu strukturieren und Text besser lesbar zu machen. Aber sie haben in der digitalen Kommunikation neue Aufgaben bekommen – vor allem unter Freunden: Sie transportieren Gefühle.

"Befinden wir uns in einem Streit, habe ich schlechte Laune, bin ich verärgert von dem, was mein Gegenüber gerade geschrieben hat, dann setze ich vielleicht nur einen Punkt und nicht das erwartete Emoji am Ende."

In der digitalen Kommunikation entstehen so gerade neue Regeln. Der Punkt wird zum Beispiel viel seltener verwendet. Denn durch das Layout des Chats ist ja schon klar, wann eine Nachricht zu Ende ist. Wenn wir also eher selten Punkte verwenden und dann einen setzen, können wir unter anderem damit ausdrücken, dass wir nicht so begeistert von einer Sache sind. Oder mal zum Schluss kommen wollen.

Weniger Punkte – mehr Ausrufezeichen!

Anders ist das bei Ausrufezeichen: Die werden anscheinend gesetzt, wo es nur geht. Aber zu verschiedenen Anlässen. Das eine sind wütende Äußerungen, die durch ein Ausrufezeichen unterstrichen werden sollen - zum Beispiel, wenn auf Twitter ein Thema diskutiert wird.

Massen von Ausrufezeichen werden in Chats auch oft mit bestimmten sozialen Gruppen assoziiert: Äußerungen von Populisten oder sogenannten Wutbürgern. Wer sich darüber lustig machen will, schreibt dann !!!!!111!1. Ganz nach dem Motto: Beim „In-die-Tasten-Hauen“ habe ich vor lauter Wut die Shift-Taste losgelassen.

"Dadurch wird die Setzung des gedoppelten oder dreifachen Ausrufezeichens zu einer neuen Norm, was manche Schreiber dann vor die Problematik stellt, wie zeige ich denn, dass ich wirklich begeistert bin."

Oft sollen Ausrufezeichen auch ausdrücken, dass eine Person begeistert ist – was bei der Masse an genutzten Ausrufezeichen ein Problem darstellen kann. Denn wo früher vielleicht drei gereicht hätten, braucht es heute manchmal einige mehr.

Unterschiede bei Geschlechtern

Jungs und junge Männer sollen öfters ohne Punkt und Komma schreiben, viele Ausrufezeichen werden eher Mädchen und jungen Frauen zugeschrieben. Florian Busch sagt, dass die verschiedenen Arten zu kommunizieren von sozialer Bedeutung sind. Trotzdem werden sie von beiden Geschlechtern genutzt: Zum Beispiel von Jungs, die beim Flirten mit Mädchen tendenziell einen eher weiblich assoziierten Schreibstil verwenden. Das haben zumindest die Forscher bei ihren Analysen so beobachtet.

"Gleichzeitig führt das aber nicht dazu, dass wir nur gehäufte Ausrufezeichen bei den Mädchen beobachten und bei den Jungs gar nicht. Es ist vielmehr eine Ressource, die soziale Bedeutung trägt, und die von beiden Geschlechtern genutzt werden kann, um damit Dinge zu tun."