Facebook kann Depressionen verschlimmern: Die psychische Belastung durch all die fröhlich-glücklichen Bilder sind massiv. Es geht aber auch anders: Holly Ellmore hat ihre Depression mit Facebook bekämpft.

Wir haben vor einer Weile darüber berichtet: Soziale Medien wie Facebook können Depressionen verschlimmern. Kati Krause hatte sich darum eine Zeit lang aus den sozialen Netzwerken verabschiedet. Weil sie Facebook und Co. während ihrer Depression noch einsamer gemacht haben. So paradox es klingt: Die digitale Einsamkeit hat ihr am Ende geholfen.

Einen ganz anderen Weg geht die Harvard-Studentin Holly Ellmore. Ihr hat FB geholfen, mit ihrer Depression umzugehen. Sie hat angefangen, ihr superglückliches Leben auf Facebook zu präsentieren. Sie hat Fotos von sich und ihrem Mann in der Badewanne gepostet oder auf Seiten verlinkt, die sie als junge Biologie-Studentin beim Sammeln von Pilzen zeigen. Nichts, was irgendwie nach Depression aussieht. Aber auch nichts, was sie nicht auch wirklich erlebt hat.

Holly zwang sich, positive Ereignisse zu posten

Leicht war das für Holly nicht. Jedes nach außen hin noch so positive Detail aus ihrem Leben habe in Wirklichkeit bei ihr nur das Gefühl der Wertlosigkeit und Schuld verstärkt, hat sie dem Onlinemagazin Quartz erzählt. Es sei ihr nicht gut gegangen und sie habe sich zwingen müssen, all diese scheinbar positiven Ereignisse trotzdem zu posten. Auch um sich selber zu bestätigen, dass sie wirklich stattgefunden haben.

"Facebook hat Holly davor bewahrt, sich aus ihrem Sozialleben zurückzuziehen, was Depressionen noch schlimmer machen kann."
DRadio-Wissen-Reporterin Martina Schulte

Wissenschaftler der American Academy of Pediatrics haben ein Phänomen beschrieben, dass sie "Facebook-Depression" nennen: Menschen, die viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, können leicht Symptome einer Depression zeigen. Für Holly Ellmore war der offensive Umgang mit Facebook trotzdem der richtige Weg: Für sie war es das digitale Tagebuch, mit dem sie sich an positive Ereignisse erinnern konnte.

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