Die 140-Zeichen-Regelung bei Twitter treibt uns zu Hashtags, seltsamen Abkürzungen und manchmal auch zur Verzweiflung, wenn wir der Meinung sind, dass das, was wir ausdrücken möchten, sich einfach nicht weiter zusammenstreichen lässt. Aber all das könnte bald der Vergangenheit angehören, denn der Kurznachrichtendienst will die Zeichen-Begrenzung auf 10.000 anheben.

Laut Tech-Blog Re/code plant Twitter, demnächst Nachrichten mit bis zu 10.000 Zeichen zuzulassen. Unternehmenschef Jack Dorsey reagierte darauf mit einem Tweet und gab der Diskussion damit zusätzliches Futter. Jack Dorsey schreibt, dass die 140-Zeichen-Begrenzung erst später eingeführt worden sei, dass er sie persönlich toll finde, weil sie zu Kreativität und Schnelligkeit anrege. Allerdings habe das Unternehmen festgestellt, dass viele Nutzer Screenshots von längeren Texten senden - die 140 Zeichen also bereits umgehen. Hinzu kommt, dass diese Texte nicht mehr von Suchmaschinen gelesen werden können.

"Ich lese es so, dass es ein Experiment ist. Ob und wie Twitter dann eine Textwüste wird, das wird sich zeigen."

Wortwitz, scharfe Argumente - für die Social-Media-Expertin Juliane Leopold ist es genau das, was durch die Beschränkung auf 140 Zeichen gefördert wird und was Twitter ausmacht. Und ihrer Meinung nach wiege demgegenüber das Argument der Durchsuchbarkeit von Texten nicht so schwer. "Ich finde, das große Alleinstellungsmerkmal von Twitter gegenüber Facebook ist, dass es in Echtzeit abbildet, worüber Leute gerade sprechen." Die Timeline werde sich allerdings nicht besonders unterscheiden von der Timeline, die wir bereits kennen, sagt Juliane Leopold.

"Es geht darum, noch mehr Textmenge oder Inhalte in das Netzwerk zu spülen, um es vermarktbarer zu machen."

Juliane Leopold findet, dass die aktuelle Suchfunktion bei Twitter "eine Katastrophe" ist. Sie würde sich wünschen, dass die Suche verbessert würde, allerdings zweifelt sie an, dass die Suche für den Nachrichtendienst wirklich so wichtig ist, wie Jack Dorsey sage: "Ich würde mich freuen, wenn das die Baustelle wäre, um die es wirklich ginge, aber ich glaube, das ist es gar nicht."