Wir schätzen die Freiheit im Netz - doch so geht es auch Terrororganisationen wie dem Islamische Staat. In sozialen Netzwerken werben sie Rekruten.

Das Prinzip hinter der Social-Media Strategie des Islamischen Staates (IS): möglichst viel und überall, sagt unser Reporter Dennis Horn. Mit der eigene Medienabteilung Al-Hayat-Media-Center zieht der IS professionelle Aktionen auf Facebook, Google+, Instagram, Youtube und Twitter durch. Außerdem programmiert die Agentur spezielle Apps und ist im Netzwerk Ask.fm aktiv. Hier können User Fragen über das Leben im IS stellen. Kämpfer mit persönlichen Accounts antworten.

In einem CNN-Interview beschreibt ein ehemaliger Kämpfer, wie jede Kommunikation kontrolliert und reglementiert wird:

"Then things I must ask my supervisor about. Specific questions about religion."
IS-Kämpfer im CNN-Interview

Die Posts sind reine Propaganda, erklärt Dennis: Sie zeigen Videos von Entführungen, Enthauptungen, Gewalt gegen Muslime und Fotos und Videos, die das Leben im IS darstellen sollen. Dabei vermitteln sie ein Lebensgefühl, verbreiten eine heroische Atmosphäre. IS-Kämpfer liegen entspannt am Pool bei gutem Essen und Getränken, um dann später mit dem Sturmgewehr in der Hand im Jeep über die Straßen zu cruisen.

"Es gibt sogar eigene Katzenvideos aus dem Islamischen Staat."
Dennis Horn, DRadio-Wissen-Reporter

Die Postings kommen von Rekruten des IS aus dem Ausland wie zum Beispiel von deutschen IS-Kämpfern: "Und jedes Mal, wenn wir in die Schlacht rausziehen, dass wir hoffen, dass wir einen erwischen, den wir mal enthaupten können." Die Terror-User sind meist zwischen 20 und 30 Jahre alt und haben das Ziel, mit ihren Posts direkt ihre Zielgruppe anzusprechen: junge Männer ihrem Alter, die gerade perspektivlos und ohne Job sind.

Harmloses Auftreten

Neben dem IS nutzen beispielsweise die Al-Shabaab-Miliz oder die Al-Nusra-Front Twitter, sagt Dennis. In Deutschland rekrutieren Neonazis Mitglieder von Parteien wie Pro NRW oder Netzwerke wie Blood and Honour. Ihre Taktik: harmlos wirken, erklärt Dennis. Laut Jugendschutz.net gibt es Tausende von Angeboten zu Themen wie die Integration von Migranten. Dass hinter Likes und Kommentaren Rechtsextreme stecken, erkennen die User aber erst auf Umwegen, sagt Dennis.

Soziale Ächtung

Der Einzelne kann sich nur schwer vor sozial-medialen Übergriffen schützen. Die Betreiber von Facebook und Twitter versuchen zwar Posts und Accounts von Terror-Usern zu löschen, aber die tauchen immer wieder von Neuem auf. Einige Extremisten weichen auf alternative Plattformen aus - wie auf das russische Netzwerk VK oder das dezentral organisierte soziale Netzwerk Diaspora, das vom IS bevorzugt wird, sagt Dennis.

"Wir brauchen eine soziale Ächtung der Propaganda, dass man sagt, es ist auch verwerflich, sich das anzuschauen."

Rechtlich ist es schwierig, gegen die Terror-User vorzugehen, deshalb ist auch jeder Einzelne gefragt, gegen die Propaganda aktiv zu werden. Indem er Inhalte bei den sozialen Netzwerken meldet. Die reagieren häufig erst, wenn sich viele Nutzer über ein Post beschweren.

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