Imker in Deutschland und der ganzen Welt kämpfen schon seit Längerem gegen das Bienensterben. In diesem Winter sind laut Deutschem Imkerbund rund 20 Prozent der Bienenvölker gestorben, das sind rund 170.000 Bienenvölker. Und dann gibt es noch ein anderes Problem:  Bienenstockdiebstahl. 

In den vergangenen Jahren sind immer wieder Bienenvölker samt Behausung und Honigernte geklaut worden. Unsere Reporterin Katharina Peetz hat einen bestohlenen Imker in Köln besucht. Etwa viermal in der Woche biegt Hobbyimker Michael Herr in einen kleinen Feldweg ab. Drei der Bienenstöcke von Michael Herr standen am Rapsfeld eines Kölner Bauern. Rapshonig mag der Imker besonders gern. Vor einigen Wochen dann der Schock bei einer seiner Kontrollen: Eine Kiste mit Bienenstöcken fehlte.

"Ich dachte erst, vielleicht hast du dich ja verguckt. Aber als ich dann hier hinkam, war mir schon klar: Die muss jemand mitgenommen haben. Weil sich der Kasten ja nicht einfach so auflöst."
Hobbyimker Michael Herr

Auch in anderen Regionen haben Diebe in letzter Zeit öfters Bienenstöcke gestohlen, zum Beispiel in Berlin, im Oberallgäu und im hessischen Offenbach. In diesem Jahr wurden bei der Imkerversicherung bundesweit mehr als 180 Diebstähle gemeldet. Im Ausland ist das Problem teilweise sogar noch größer: In Kalifornien, wo die Bienen vor allem die Mandelbäume bestäuben, sind kürzlich in einer einzigen Nacht 482 Bienenstöcke gestohlen worden

Laien können die Diebe nicht sein, glaubt der Kölner Hobbyimker Michael Herr. Weil sich die Täter mit Bienen auskennen müssen. Oft machen sich die Diebe eine Eigenschaft der Bienen zunutze: Die Insekten verkriechen sich abends in ihrem Stock und fliegen erst wieder aus, wenn die Sonne aufgeht. Diebe können nachts also einfach das Flugloch schließen und die ganze Kiste mit dem Bienenstock wegtragen. Etwa 20 Kilogramm wiegt der gestohlene Bienenstock, sein Wert samt Bienenkönigin, Bienen und Honig liegt bei rund 450 Euro. Die Aufklärungsrate ist sehr gering, sagt auch Frank Mann, Vorsitzender des Kölner Imkervereins:

"Wir wissen leider auch da, wie bei manch anderen Diebstählen, dass Einiges im Osten beauftragt wird beziehungsweise hingekarrt wird. Da hat es Einzelfälle gegeben, wo man das nachweisen konnte, aber verschwindend wenig leider.“
Frank Mann, Vorsitzender des Kölner Imkervereins

Das Problem: Das Diebesgut lässt sich nur schwer wiedererkennen.  Die Bienen selbst sind nicht gekennzeichnet, manche Imker versuchen, wenigstens die Behausung individuell zu gestalten. Aber ein Profi kann natürlich die Bienen umsiedeln und die alten Kisten entsorgen. Und auch der Abtransport ist für die Bienen nichts Ungewöhnliches, denn viele Imker stellen ihre Völker regelmäßig an neuen Orten auf, um andere Sorten Honig zu gewinnen.

Viel Hoffnung, dass er seine Bienen wiederbekommt, hat Michael Herr deshalb nicht. Aber er will Vorkehrungen treffen und seine Stöcke mit GPS-Geräten besendern. Es gibt auch Sender, die auf Bewegung reagieren und dann einen Alarm auf das Handy des Imkers schicken. 

"Es gibt mittlerweile technische Hilfsmittel, dass man seine Bienenstöcke einfach durch eine Kamera aufnehmen lässt. Dass also ein Bewegungsmelder angeht."
Frank Mann, Vorsitzender des Kölner Imkervereins

Aber auch ohne Technik sollten Imker versuchen, es Dieben so schwer wie möglich zu machen, sagt Frank Mann. Zum Beispiel, indem sie das Untergestell einbetonieren und mit dem Bienenstock verschrauben. Immerhin: Wenn der Sommer vorbei ist, können sich die Imker erst mal entspannen. Denn zumindest Bienenköniginnen können nur bis September geklaut werden – anschließend würde ein neues Volk sie nicht als Regentin akzeptieren. Volk und Königin brauchen einander, sonst sterben sie.