Die Larven der Soldatenfliege sind echte Proteinbomben. Sie reproduzieren sich unheimlich schnell und ernähren sich von Abfall. Würden sie als Mastfutter eingesetzt, hätte die Welt ein Ernährungsproblem weniger.

Die Weltbevölkerung wächst - und sie hat Hunger. Für ein Problem der Welternährung könnte es eine neue Lösung geben: Nämlich womit wir Rinder, Schweine und Hühner füttern. Für ihre Zucht werden große Mengen an Eiweiß benötigt - bisher wurde das vor allem durch Fischmehl zugeliefert. Aber auch dies ist eine endliche Quelle. Nun sollen die Soldatenfliegen ran.

Aus Scheiße Futter machen

Auf den ersten Blick ist die etwa zwei Zentimeter große schwarze Fliege unscheinbar. Wirklich interessant sind schließlich auch die Larven des Insekts, das vor allem in Mittel- und Südamerika vorkommt. Denn die Larven sind ziemlich anspruchslose Nimmersatte mit einer unschlagbaren Futterverwertung: Aus einem Kilogramm Futterresten lässt sich ein Kilogramm Larven produzieren. Und die haben es in sich. Sie bestehen zu 42 Prozent aus Eiweiß und zu 35 Prozent aus Fett.

Ein weiterer Bonus der Soldatenfliege: sie ist einfach gut zu züchten. Das liegt nicht nur an ihrem schlichten Speiseplan, sondern auch an ihrer raschen Fortpflanzung. Ein einziges Eipaket enthält bis zu 1200 Eier, pro Jahr können Soldatenfliegen bis zu zehn Generationen ausbilden.

Expansion nach Europa

Mittlerweile ist eine echte Industrie daraus entstanden. Firmen in den USA und in Südafrika züchten bereits Soldatenfliegen, um mit ihnen Nutztiere wie Rinder oder Fische zu füttern. In Deutschland forscht etwa die TU Dresden zu dieser neuen Tierfutterquelle. Währenddessen planen südafrikanische Firmen schon die Expansion nach Europa. Allerdings ist es in der EU bisher noch verboten, tierische Proteine an Masttiere zu verfüttern. Eine Neuregelung des Gesetzes, das aus der Zeit der BSE-Gefahr stammt, ist aber in Sicht: schon 2016 könnte es soweit sein.

Die größte Larvenfabrik der Welt steht in der Nähe von Kapstadt in Südafrika. Sie geht beim Futter für die Larven noch einen Schritt weiter. Sie vermischt menschlichen Kot, den sie in Toiletten der Slums sammelt, mit Lebensmittelresten.

Wie gesagt, was ihr Futter angeht, ist das Insekt nicht anspruchsvoll. Das zeigt auch die Geschichte, wie die Soldatenfliege zu ihrem Namen kam. Im Amerikanischen Bürgerkrieg wurden die Larven des Insekts vor allem in den Leichen der gefallenen Soldaten gefunden: dort fraßen sie mit großem Appetit das verwesende Fleisch der Toten.

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