Unser Temperaturempfinden hängt nicht nur davon ab, wie viel Hitze unsere Rezeptoren tatsächlich an unser zentrales Nervensystem weiterleiten. Auch Kontexte wie Umwelt, Gedanken und Emotionen spielen eine Rolle.

Hitze nehmen wir also nicht nur in ihrer tatsächlichen Stärke wahr. Vielmehr ist unser Temperaturempfinden relativ und kann durch Emotionen und Erinnerungen verstärkt oder abgeschwächt werden. Erforscht wird diese Wahrnehmung von Paul Pauli. Er leitet an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für biologische Psychologie, klinische Psychologie und Psychotherapie.

"Es hängt sehr wohl von der Umwelt ab, in der wir uns befinden. Von den Gedanken, die wir haben, von den Emotionen, die wir haben."
Paul Pauli, Leiter des Lehrstuhls für biologische Psychologie, klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Würzburg

In seiner Arbeit beschäftigt er sich vor allen Dingen mit der Frage, wie unser Schmerzempfinden durch äußeren Begleitumstände beeinflusst wird. Aber für Hitze- und Temperaturempfinden generell seien dieselben Hirnareale zuständig, sagt er.

"Aber gleichzeitig auch in Arealen, wo eben auch die emotionale Komponente verarbeitet wird von solchen Reizen."
Paul Pauli über die verschiedenen Hirnareale

Wir spüren Hitze nicht nur in ihrer tatsächlichen Stärke

Das bedeutet, dass wir Hitze nicht nur in ihrer tatsächlichen Stärke spüren, sondern dass unser Temperaturempfinden relativ sei. Es könne durch Emotionen und Erinnerungen verstärkt oder abgeschwächt werden, so Pauli.

Mann springt in Pool.
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In unserem Alltag können wir also versuchen, unsere Wahrnehmung in die ein oder andere Richtung zu beeinflussen. Beispielsweise in dem wir uns an einem heißen Tag vorstellen, dass wir uns an einem Pool befinden und uns auf die angenehmen Assoziationen konzentrieren. Laut Paul Pauli kann uns das helfen, die unangenehme Hitze zu vergessen, die uns tatsächlich umgibt.

"Und hier gibt es klare Befunde, dass ich, wenn ich in einer negativen Stimmung bin, alles, was negativ dazu kommt, bevorzugt verarbeite und es stärker empfinde. Während, wenn ich in einer positiven Stimmung bin, etwas Negatives abgeschwächt wird."
Paul Pauli über das Priming

Um den Effekt nutzen zu können, braucht es Übung

Diese Beeinflussung von Reizempfindung durch Emotionen und Erinnerungen hat in der Psychologie einen Fachbegriff: Das Priming. Und dieses Priming kann auch künstlich erzeugt werden – im Fall von Hitze also zum Beispiel durch Geräusche von Eiswürfeln oder durch Bildern von Schnee.

Das funktioniere am besten, wenn es sich um visuelle und akustische Reize handle, die eine Empfindung auslösten, die - in unserem Beispiel - nicht zu Hitze passe, so Paul Pauli. Hilfreich sei zudem auch eine Erinnerung an eine Situation, die ebenfalls nichts mit Hitze zu tun habe. Leider sei Priming ganz ohne Übung allerdings nur begrenzt möglich, schränkt Paul Pauli den Effekt abschließend ein.