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Sophie Scholl hat Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur geleistet und wurde dafür hingerichtet. Woher sie ihre Kraft genommen und was sie geprägt hat, erklärt die Historikerin und Scholl-Biografin Maren Gottschalk in ihrem Vortrag.

Sie wurde am 9. Mai 1921 geboren und am 22. Februar 1943 hingerichtet, mit dem Fallbeil: Sophie Scholl. In ihrem kurzen Leben hat sie gegen die nationalsozialistische Diktatur gekämpft und ist damit zu einer Ikone geworden – zu einer Ikone, die bewundert, aber auch vereinnahmt wird.

Eine junge Frau, die 2020 gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierte, sagte, sie fühle sich wie Sophie Scholl. Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete schrieb auf Twitter, heute wäre Scholl vermutlich in der Antifa. Das Gesicht von Sophie Scholl begegnet uns auf Briefmarken, Straßen und Schulen tragen ihren Namen. Auch das Europäische Parlament will ein Gebäude nach ihr benennen.

"Sophie war damals sehr begeistert. Wir sind marschiert. Und die Sophie lief nebenher und sagte 'links zwei drei'. Das war so richtig zackig."
Maren Gottschalk zitiert Eva Amann, ehemaliges ''Jungmädel"

Als die Widerstandskämpferin – wie wir sie heute kennen – kam sie aber nicht auf die Welt. Vielmehr war Sophie Scholl begeistert von und engagiert beim Bund Deutscher Mädel, leistungsbereit und erfüllt von der Verantwortung.

Vom "Jungmädel" zur Widerstandskämpferin

Maren Gottschalk, Historikerin und Sophie-Scholl-Biografin, sieht nicht den einen Grund für ihre Abkehr vom nationalsozialistischen System. Vielmehr zeichnet sie das Bild einer freiheits- und naturliebenden jungen Frau mit vielen Talenten – und auch Widersprüchen. Eine, die sich nach und nach löst aus der geltenden Doktrin.

"Aber seltsam. Erst jetzt spüre ich, dass mich nichts zwingen wird. Ein herrliches Stärkegefühl habe ich manchmal."
Sophie Scholl in einem Brief an ihren Bruder Hans am 7. September 1941

Scholl kann sich auch aus Momenten tiefer Niedergeschlagenheit herauskämpfen. Und sie stößt zu der von ihrem Bruder Hans mitbegründeten Gruppe namens "Die Weiße Rose". Als die Geschwister dafür am 18. Februar 1943 Flugblätter in der Münchner Universität auslegen, werden sie erwischt und von der Gestapo verhaftet.

"Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa."
Aus dem fünften Flugblatt der Weißen Rose, 1943

Der Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler verurteilt die beiden und ihren Freund Christoph Probst zum Tod. Vier Tage später, am 22. Februar, wird Sophie Scholl mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie ist 21 Jahre alt. In späteren Prozessen werden weitere Mitglieder der Gruppe zum Tod oder zu langen Zuchthausstrafen verurteilt.

Der Vortrag: Maren Gottschalk ist Historikerin und Journalistin. 2021 veröffentlichte sie die Biographie "Wie schwer ein Menschenleben wiegt. Sophie Scholl" bei C.H. Beck. Ihren Vortrag "Sophie Scholl. Der Mensch hinter der Ikone des Widerstands" hat sie am 1. Februar 2021 für den Hörsaal in Köln eingesprochen. Statt von Sophie spricht sie in ihrem Vortrag von 'Soffie' – so sei der Vorname in der Familie Scholl ausgesprochen worden.