Das Schweizer Projekt "Sounding Soil" macht hörbar, wie viel Leben sich direkt unter der Erdoberfläche in Wiesen, Äckern und Beeten versteckt. Durch eine faszinierende Klangwelt sensibilisiert uns das Projekt für Biodiversität.

Wer die faszinierenden Geräusche hören möchte, die "Sounding Soil" erfahrbar macht, klickt einfach oben auf der Seite den Play-Button an.

Ein Hörbeispiel zeigt den deutlichen Unterschied zwischen einer stark bewirtschafteten Fläche und einer wild wachsenden Wiese. Auf dem Zuckerrübenfeld bleibt die Aufnahme relativ still, kein Krabbeln, kein Kreuchen, der Boden erscheint leblos. Das Mikrofon fängt den Wind ein und einen Vogel in einiger Entfernung, doch von Käfern und Würmern gibt es akustisch kaum eine Spur.

Im Zuckerrübenfeld bleibt die Erde stumm

Allerdings verweist die Projektmanagerin Marilena Schumann darauf, dass das kein empirisches Ergebnis ist, also kein Beweis. Es könnte auch an der Uhrzeit, Temperatur oder der ausgewählten Stelle liegen, dass auf dem Zuckerrübenfeld nichts zu hören ist, wenn das 1000-fach verstärkende Mikrofon in die Erde gesteckt wird.

Aber dennoch ist das Hörerlebnis eklatant anders, wenn das Mikrofon und der Verstärker, der die Schallwellen umwandelt, das bunte Treiben unter der Erdoberfläche einer unbewirtschafteten Wiese abbildet. Ein unaufhörliches Kratzen, Rascheln, Klopfen und Tuten. Welches Geräusch welchem Käfer, welcher Assel oder welchem Wurm zuzuordnen ist, wissen die Forschenden noch nicht, aber sie hoffen, das noch herauszufinden.

"Der Boden ist uns unbekannt: Wir laufen drauf, er macht uns dreckig und vielleicht sehen wir, dass die Pflanzen ihn zum Wachsen brauchen, aber ansonsten ist uns nicht bewusst, wie wichtig der Boden ist."
Marilena Schumann, Projektmanagerin von "Sounding Soil"

Das Projekt "Sounding Soil" ist eine Kooperation verschiedener Schweizer Hochschulen und der Stiftung Biovision, die sich für die Entwicklung und Verbreitung nachhaltiger landwirtschaftlicher Methoden einsetzt.

Das Aufnahmegerät, erklärt die Projektmanagerin Marilena Schumann, wurde extra für das Projekt entwickelt. Der schwarz-weiße Kasten ist so groß wie eine Brotdose. Er verstärkt die Schallwellen, die durch einen aufgesteckten Lautsprecher zu hören sind. Das Mikrofon ist eine zehn Zentimeter lange Nadel aus orangenem Kunststoff, die in den Boden gesteckt wird. Die gesamte Vorrichtung verstärkt die Geräusche im Boden um ein Tausendfaches. Dadurch hört man ein auch ein starkes Hintergrundrauschen. Aber selbst dann ist es nicht zu überhören: Der Boden lebt.

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Vieles, was man schon im eigenen Garten tun kann

Die Aufnahmen, die "Sounding Soil" bisher gesammelt hat, haben Menschen aus der ganzen Schweiz zusammengetragen. Denn wer Lust hat, kann sich ein Gerät ausleihen und den Lebewesen im eigenen Feld, dem Garten oder dem Permakultur-Beet lauschen.

"Es gibt tatsächlich auch Kommunikationsgeräusche, die man hören kann. Das klingt dann wie ein Motorrad, was nicht startet oder wie eine Hupe oder wie eine Klingel. Alles Töne, die man noch nie gehört hat."
Marilena Schumann, Projektmanagerin von "Sounding Soil"

Das Schweizer Projekt hat das Ziel, Menschen für das Leben unter der Erde zu sensibilisieren. Und es gibt vieles, was wir selbst tun können, um es zu fördern und zu schützen, sagt die Projektmanagerin. Sie empfiehlt, im eigenen Garten möglichst keine Pestizide zu sprühen, soweit es geht mit Kompost zu düngen und alles andere wegzulassen.

Ihr Tipp: Am besten sei es, heimische Pflanzen zu säen, damit die Organismen in der Erde eine natürliche Umgebung vorfinden.