Mit der Partnerin oder dem Partner Schluss machen - das Procedere kennen wir. Aber wie geht man eigentlich mit Freundschaften um, die man am liebsten beenden möchte? Der Psychologe Wolfgang Krüger sagt: Am besten ausschleichen lassen.

Es gab diese Jahre, da hat man sich Tag und Nacht gesehen, hat die verrücktesten Dinge gemeinsam durchgemacht und sich einfach alles erzählt. Doch das ist schon eine Weile her. Mittlerweile ist man in einer neuen Stadt, hat neue Freunde und irgendwie hat man sich auseinandergelebt. Die Gespräche sind holprig, der Humor ist nicht mehr der Gleiche. Und irgendwann merkt man dann, dass man mit der Person eigentlich nichts mehr zu tun haben möchte.

Aber sollte man ihr das so auch wirklich ins Gesicht sagen? Der Psychologe Wolfgang Krüger, der seit mehr als 30 Jahren im Bereich Freundschaften forscht, sagt: Am besten man lässt die Freundschaft einfach auslaufen.

"Ich würde mich nicht unmittelbar verabschieden, sondern ich würde das ehrlich gesagt ausschleichen lassen."
Wolfgang Krüger, Psychologe

Denn da man schon so viel miteinander erlebt habe, bleibe eine gewisse Restsympathie oder ein Stück Respekt vor diesen Freundschaften immer erhalten. Ein direkter Cut bei Menschen, die einem in einer wichtigen Lebensphase begleitet haben, wäre nach Wolfang Krügers Ansicht unpassend.

Freundschaften muss man pflegen

Dass nicht alle Freundschaften ewig halten, sei völlig normal, sagt Wolfgang Krüger. Tatsächlich ende jede zweite Freundschaft innerhalb von sieben Jahren. Denn Freundschaften hätten - anders als Beziehungen - einen eingebauten Abstand. Man müsse sich immer wieder neu verabreden und sich aktiv um die Freundschaft kümmern, wie um eine Pflanze, die Wasser braucht. Gießt man sie nicht mehr, geht sie ein. Und so ist es auch mit Freundschaften.

"Wenn ich mich in Freundschaften nicht kümmere, dann geht eine Freundschaft ein, wie eine Pflanze ohne Wasser und insofern muss ich einfach nur nichts tun, dann ist die Freundschaft vorbei."
Wolfgang Krüger, forscht seit 30 Jahren zu Freundschaften

Alltagsfreunde oder Herzensfreunde?

Wolfang Krüger sagt aber auch, dass es unterschiedliche Arten von Freundschaften gibt: Die Alltagsfreundschaften gingen oft schon aus banalen Gründen wie einem Umzug oder einer neuen Beziehung vorbei. Ihnen trauere man auch nicht so sehr hinterher.

Die Herzensfreundschaften dagegen halten viel Wind und Wetter aus. Wenn nichts Einschlägiges wie ein großer Vertrauensbruch passiere, dann könnten diese Freundschaften im Durchschnitt über 30 Jahre halten. Sie zeichneten sich oft dadurch aus, dass man die gleichen Werte teile und sich verstanden fühle. Herzensfreundinnnen und -freunde zu finden ist allerdings auch ein echter Glücksfall; höchstens drei haben wir davon in unserem Leben, sagt Wolfgang Krüger.

"Bei Herzensfreundschaften habe ich ähnliche Werte, da fühl ich mich verstanden, da kann ich alles erzählen. Das ist ein Glücksfall, solche Leute zu finden. Und das sind immer ganz wenige."
Wolfgang Krüger, Psychologe

Doch wie erkennt man, welche Freunde die wahren Herzensfreundschaften sind? Einfache Fragen, wie diese hier, können bei der Entscheidung helfen: Wem würde man beispielsweise erzählen, dass man

  • eine Beziehungskrise hat?
  • eine Million Euro gewonnen hat?
  • die Diagnose bekommen hat, schwer krank zu sein?

Von den Freundinnen und Freunden, von denen man erst mal nichts hören möchte, die könne man erstmal getrost vernachlässigen. Und sollte man sich dann doch mal auf einer Party sehen, dann ist das Wiedersehen auch nicht so unangenehm. Und wer weiß, vielleicht findet man nach ein paar Jahren Abstand doch wieder zueinander. Wolfgang Krüger hält das für nicht ganz unwahrscheinlich.