Bei Twitter hat der neue Chef Elon Musk rund 3700 Stellen gestrichen. Das entspricht etwa der Hälfte der Belegschaft. Auch Meta, der Facebook-Mutterkonzern, plant wohl Entlassungen. Die Gründe der beiden großen Tech-Unternehmen ähneln sich.

Meta-Chef Mark Zuckerberg hatte bereits bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal mitgeteilt, dass Meta Ende 2023 voraussichtlich eine "etwas kleinere Organisation" sei als jetzt, so unser Netzreporter Michael Gessat.

Das Wall Street Journal berichtete am 6. November über bevorstehende Massenentlassungen bei Meta.

Ein Grund für die Kündigungswelle sei, dass das Unternehmen von Mark Zuckerberg während der Pandemie-Jahre 2020 und 2021 massiv gewachsen sei. In dieser Zeit verbrachten die User*innen viel Zeit im Netz und konsumierten viele Onlineinhalte. Das hatte zur Folge, dass 2020 und 2021 bei Meta rund 27.000 neue Stellen hinzukamen. Auch im Jahr 2022 gab es bis September über 15.000 Einstellungen. "Insgesamt beschäftigt Meta momentan 87.000 Leute", sagt Michael Gessat.

Der Internetboom während der Pandemie scheint vorbei

Doch der "Pandemie-Boom" scheint vorbei. Die Nutzerzahlen, die Nutzungsdauer sowie die Werbe-Einnahmen gehen wieder zurück. Die Anti-Tracking-Maßnahmen bei Apples iOS haben angeblich oder tatsächlich einen negativen Einfluss auf die Werbeeinnahmen, so Michael Gessat. Hinzukommt, dass der Konkurrent TikTok noch stärker geworden ist.

"Der Börsenkurs von Meta ist massiv abgestürzt."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ein weiterer und wichtiger Aspekt ist Mark Zuckerbergs Vision vom Metaversum. Damit will er den Konzern in die digitale Zukunft führen: Es soll ein umfassendes Netzwerk werden aus virtuellen Welten für Arbeit, Fun und Konsum in einem. "Da steckt Mark Zuckerberg gewaltige personelle und finanzielle Ressourcen rein. Jeden Monat Milliarden um Milliarden", sagt Michael Gessat.

Aber bislang sei nicht einmal ansatzweise erkennbar, wie das Metaversum aussehen und wann es fertig sein könnte. Die Investor*innen jedenfalls scheinen skeptisch zu sein: Der Meta-Börsenkurs ist abgestürzt. Die zahlreichen Entlassungen, die es geben könnte, könnten daher mit einem nötigen Umbau des Konzerns zusammenhängen, weil das Geschäft nicht mehr ganz so erfolgreich boomt.

Twitter macht die ersten Kündigungen rückgängig

Bei Twitter ist noch nicht ganz klar, warum Elon Musk nach der Übernahme derart viele Kündigungen veranlasste. Vor allem ist unklar, warum auf diese Art und Weise. Manche Mitarbeitenden erfuhren von ihrer Kündigung, als ihr Home-Office-Zugang plötzlich nicht mehr funktionierte.

"Bei Twitter ist momentan totales Chaos."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Aber: "Es gibt Berichte, wonach Twitter manche der Gefeuerten fragt, ob sie nicht wieder zurückkommen wollen", sagt Michael Gessat. Denn nach der Kündigungswelle wurde wohl deutlich, dass teils Teams zerschlagen waren, die man braucht, um die von Elon Musk geforderten neuen Strukturen aufzubauen und zu programmieren.

In dieses Chaos hinein meldete sich am Wochenende Jack Dorsey zu Wort; er ist Twitter-Mitgründer und ehemaliger Chef. Unter seiner Regie sei Twitter zu schnell und zu stark gewachsen. Er trage deshalb mit Schuld an den aktuellen Massenentlassungen. Sodass es letztlich auch bei Twitter um einen nötigen Umbau gehen könnte, um profitabel zu sein.

Gerade Twitter habe den Schwenk zur Profitabilität im Vergleich zu anderen Plattformen am wenigsten geschafft beziehungsweise gar nicht, so Michael Gessat. Ob Elon Musk das Ruder rumreißen kann? Da ist unser Netzreporter eher skeptisch.

  • Moderator:  Christoph Sterz
  • Gesprächspartner:  Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova