Wir denken, wir lösen Probleme, wir sind intelligente Wesen. Das zeichnet uns Menschen aus. Manche sind schlauer als andere, Einstein zum Beispiel. Mit Intelligenztests können wir das messen. Nur wissen wir leider gar nicht so genau, was wir da messen, sagt der Soziologe Armin Nassehi.

Daryl Atkins ist ein verurteilter Mörder aus dem US-Bundesstaat Virginia. Die Todesstrafe gegen ihn wurde aber nicht verhängt - dazu war sein Intelligenzquotient (IQ) zu niedrig. Dann aber wurde der Prozess wieder aufgerollt. Zu diesem Zeitpunkt wurde erneut ein Intelligenztest gemacht, und diesmal war sein IQ gestiegen. So viel, dass er zum Tode verurteilt werden durfte.

"Die Praxis in den USA ist, dass man mindestens einen Intelligenzquotienten von 70 oder 75 braucht, um hingerichtet werden zu dürfen. Das hört sich zynisch an. Ist es auch."
Armin Nassehi, Soziologe

Die Geschichte von Daryl Atkins steht im Mittelpunkt dieses Hörsaal. Von ihm, sagt der Soziologe Armin Nassehi, habe er mehr über Intelligenz gelernt als von irgendeinem Wissenschaftler. Armin Nassehi ist Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von den Studierenden wurde er zum besten Redner der Uni gewählt.

"Atkins bekam auf einmal Impulse, die ihn anders sozialisiert haben als vorher. Er wurde dadurch intelligenter. Das hat ihn fast das Leben gekostet."
Armin Nassehi, Soziologe

In seinem Vortrag erklärt Nassehi, warum Intelligenz keine unveränderliche Größe ist. Wie gut wir bei einem Intelligenztest abschneiden, hängt zum Beispiel davon ab, in was für einer Umgebung wir aufgewachsen und welchen Einflüssen wir ausgesetzt sind. Einiges davon kann sich im Laufe unseres Lebens ändern, das war bei Daryl Atkins der Fall.

Armin Nassehis Vortrag hat den Titel "Intelligenzen". Er hat ihn am 7. Oktober 2019 in Ottobrunn gehalten, im Rahmen der Reihe vhs.wissen live, dem digitalen Wissenschaftsprogramm der Volkshochschule Erding und der Volkshochschule Süd-Ost in Kooperation mit der Kursbuch Kulturstiftung.