Wo verbringen die Menschen ihre Freizeit, wo gehen sie zur Arbeit und wie kommen sie dahin? Das möchte die spanische Statistikbehörde wissen und trackt dazu die Handys der Spanierinnen und Spanier – 53 Millionen Mobiltelefone. Tracken für den guten Zweck? Datenschützer finden das Datensammeln bedenklich.

Spanien trackt gerade die Daten von 53 Millionen dort gemeldeten Mobiltelefonen. Die nationale Statistikbehörde INE möchte mithilfe der Handydaten herausfinden, wie sich die knapp 47 Millionen Spanierinnen und Spanier durchs Land bewegen: Zum Beispiel welche Verkehrsmittel sie benutzen, wie der Verkehr durch die Straßen fließt und wo sie sich tagsüber aufhalten.

Die Daten sollen unter anderem dazu dienen, die öffentliche Infrastruktur zukünftig besser planen zu können. Das würde wiederum für eine Ersparnis von hundert Millionen Euro sorgen, so die spanischen Behörden.

"Wenn man der Argumentation der spanischen Politiker folgt, dann ist das Überwachung für den guten Zweck."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

An insgesamt acht verschiedenen Tagen sollen die Nutzerdaten zu unterschiedlichen Uhrzeiten gesammelt werden: Die ersten vier Tage fanden in der Woche vom 18. November 2019 statt. Die letzten Tage sind für Juli und August 2020 geplant.

Die Daten bekommt die Statistikbehörde von den drei großen Mobilfunkanbietern des Landes: Moviestar, Vodafone und Orange. Diese können die Mobilfunkdaten der Spanierinnen und Spanier über 3.200 Funkzellen tracken beziehungsweise erfahren die Anbieter, von welchem Standort sich eine Person in das Mobilfunknetz einwählt. Für das Weiterleiten der Daten bezahlt die Statistikbehörde den drei Anbietern 500.000 Euro.

Tracken soll anonym sein – spanische Datenschützer sehen das kritisch

Obwohl die Statistikbehörde versichert, dass die Anonymität der Nutzer gewahrt wird, sehen Kritikerinnen und Kritiker die Privatsphäre der Nutzer in Gefahr: Auch wenn die Behörde nicht die Telefonnummern oder die Namen der Nutzer erfährt, könnten sie anhand der gesammelten Daten, Rückschlüsse auf die Identität der Menschen ziehen. Zum Beispiel geben die Mobilfunkdaten Auskunft darüber, in welchem Gebäude sich eine Person aufhält und wohin sie im Anschluss geht.

"Man könnte sein Handy während dieser Tage ausstellen. Das wäre die unkomfortable Lösung."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Als Reaktion auf den Protest ihrer Kunden, haben die Mobilfunkanbieter Vodafone und Orange eine Widerspruchsmöglichkeit für ihre Nutzerinnen und Nutzer eingeführt. Über diesen Weg könnte ein Teil der Spanier das Tracking umgehen.

Die Kundinnen und Kunden von Moviestar, dem größten spanischen Anbieter, haben diese Option nicht. Diese könnten dem Datentracking nur mit dem Ausschalten ihres Handys entgegenwirken, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.