Was muss passieren, damit wir unabhängig von russischem Öl und Gas-Lieferungen werden? Wirtschaftsminister Robert Habeck setzt aktuell auf die Suche nach alternativen Energielieferanten. Wie wir selbst unseren Energieverbrauch reduzieren können und was für Energiesparmaßnahmen insgesamt möglich sind, erklärt Niklas Höhne vom New Climate Institute.

Die Industrie verbraucht die Hälfte des Gases, was in Deutschland benötigt wird, für ihre Produktion. Damit ist sie laut Niklas Höhne der Sektor, der nicht nur am meisten Gas verbrennt, sondern auch das höchste Einsparpotenzial besitzt, um zu sparen.

"Es müssen schon alle ran, denn derzeit bekommen wir sehr viel Öl und Gas aus Russland."
Niklas Höhne, Professor am New Climate Institute

Niklas Höhne erklärt, dass 20 Prozent des Gasverbrauchs in der Industrie in den nächsten vier bis fünf Jahren eingespart werden könne, indem andere Brennstoffe genutzt werden, die ebenfalls effizienter sind.

Öl und Gas-Verbrauch in Privathaushalten

Neben der Industrie haben natürlich auch unsere Privathaushalte die Möglichkeit, sehr viel Energie einzusparen. Wenn wir jeder etwas weniger heizen zum Beispiel. Wer es schafft, in der Wohnung mit 18 Grad auszukommen, statt mit 20 Grad, der spart schon 12 Prozent Energie ein. Das bedeutet nicht nur weniger Ausgaben für uns und eine Entlastung des Klimas, sondern auch weniger Energieverbrauch, der aus Russland oder alternativen Ländern erfolgt.

"Sofort gehen bei Öl und bei Gas ungefähr zehn Prozent oder im Sommer noch ein bisschen mehr, was wir sofort einsparen können."
Niklas Höhne, Professor am New Climate Institute

70 Prozent des Öl-Verbrauchs wird zum Beispiel durch den Verkehr in Deutschland verursacht. Niklas Höhne erläutert, dass genau aus diesem Grund für uns ein Tempolimit, autofreie Sonntage und mehr Elektroautos zu massiven und nützlichen Einsparungen führen könnten.

Tipps zum Energiesparen

Insgesamt können wir alle laut Niklas Höhne, zehn Prozent des Verbrauchs von Öl und Gas relativ kurzfristig einsparen. Dabei helfen:

  • Weniger Kraftstoffverbrauch durch arbeiten im Homeoffice statt zu pendeln
  • Zum Verreisen die Bahn nutzen und nicht das Auto oder Flugzeug
  • Auf der Autobahn langsamer fahren
  • In der Stadt auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausweichen
  • Im Winter statt die Zimmer auf 20 Grad auf 18 Grad heizen
  • Langfristig unsere Häuser nicht mehr mit neuen Gasheizungen ausstatten, sondern mit Alternativen heizen

Wenn wir es schaffen, uns zu Reduzieren und die Industrie ebenfalls ihren Öl-und Gas-Verbrauch herunterschraubt, dann ist es möglich, innerhalb von fünf Jahren ein Viertel weniger zu benötigen, erläutert Niklas Höhne. Bis 2030, sagt er, könnten wir durch Einsparungen sogar nur noch die Hälfte des Öl-und Gas verbrauchen.

  • Moderatorin:  Rahel Klein
  • Experte:  Niklas Höhne, Professor am New Climate Institute