Na, sortiert ihr eure Schuhe auch nach Farbe? Oder gießt die Blumen immer von links nach rechts? Fast jeder tut irgendwelche Dinge, die andere für komplett bescheuert halten. Und das ist normal.

Spleens und Marotten? Nein, ich doch nicht! Spricht man Leute auf ihre merkwürdigen Gewohnheiten an, dann kommt meist die Antwort: Ich bin ganz normal. Das ist aber völliger Quatsch, sagt die Psychologin Fanny Jimenez. Fast jeder von uns hat seltsame Eigenarten, die beim Gegenüber eher Kopfschütteln auslösen.

"Ich mag es überhaupt nicht, wenn Messerspitzen auf mich zeigen. Automatisch schieb ich dann Sachen davor: Ich stelle den Brotkorb davor, oder stell die Wasserflasche dazwischen."
Fanny Jimenez, Psychologin

Fanny Jimenez hat sich von einer ganzen Menge Menschen ihre Spleens zuschicken lassen und daraus ein Buch gemacht: "Ich und mein Spleen. Was wir tun, wenn wir alleine sind", heißt es.

Nicht ohne meine Macke

Spleens, das sind unsere kleinen Ausbrüche aus der Welt des normalen Verhaltens. Aber sie sind nicht nur kurios, sondern erfüllen auch einen Zweck: Im übertragenen Sinn könnte man wohl sagen, Spleens sind kleine Rituale, die uns im täglichen Leben Ordnung geben. Sie können uns helfen, Ängste in den Griff zu bekommen oder beruhigen, sagt Fanny Jimenez.

"Zusammenfassend kann man sagen, dass Spleens einem die Welt ein bisschen schöner machen. Sie wird ein bisschen sicherer, ein bisschen kontrollierbarer durch diese Spleens."
Fanny Jimenez, Psychologin

Wenn der Spleen überhand nimmt

Dieser Wunsch nach Ordnung und Sicherheit im Alltag kann aber auch überhandnehmen. In so einem Fall ist die Grenze zwischen harmloser Marotte und kritischer Zwangsneurose fließend und lässt sich manchmal gar nicht so leicht auseinander halten. Leuten, die das bei sich selbst testen wollen, rät Fanny Jimenez, einfach mal einen Tag lang die Spleens nicht auszuführen.

"Wenn man gut durch den Tag kommt, ohne den Spleen anzuwenden, dann ist alles in Ordnung. Wenn man das Gefühl hat, der Spleen steht im Weg oder behindert einen, sollte man sich vielleicht Hilfe holen."
Fanny Jimenez, Psychologin

Die meisten Spleens sind aber harmlos. Und das Interessante ist, dass sie so unglaublich spezifisch sind. Ein guter Fimmel zeichnet sich dadurch aus, dass man ihn wirklich ganz für sich alleine hat. Und, um es nochmal zu sagen: Das ist okay. Fanny Jimenez schreibt in ihrem Buch: "Es ist nicht nur in Ordnung, Spleens zu haben, es ist sogar gesund. Denn sie stabilisieren unsere Psyche."

Warum wir unsere Marotten so individuell ausprägen, das kann auch die Psychologie nicht konkret beantworten. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig - denn gerade weil die Spleens (der anderen) so unverständlich sind, sind sie manchmal eben auch so witzig.

Mehr Spleens - gefunden auf myspleen.de:

  • Ich muss beim Anziehen der Socken immer mit dem rechten Fuß beginnen.
  • Mein Wecker steht immer auf einer ungeraden Uhrzeit.
  • Ich esse bei gesalzenen Erdnüssen erst die halben.
  • Wenn ich Currywurst mit Pommes esse, müssen die Pommes immer links liegen.
  • Ich muss die Geldscheine im Portemonnaie immer sortieren, sodass der silberne Streifen rechts ist.
  • Die Lautstärke beim Radio oder Fernseher muss bei mir durch fünf teilbar sein.
  • Ich hasse diese kleinen Benachrichtigungen oben im Handy. Die muss ich sofort löschen.
  • Ich muss zum Einschlafen meinen Fuß in die Bettritze stecken. King Size Betten mit nur einer Matraze bedeuten eine schlaflose Nacht.
  • Ich entscheide, ob ich Menschen mag oder nicht mag, an der Form der Nasen, speziell der Nasenlöcher... Danke, dass Ihr auch so viele Spleens habt.