Die AfD nutzt auch Sportvereine, um neue Anhänger zu gewinnen – und manche lassen das zu. Der Dachverband des deutschen Sports positioniert sich klar gegen etwa Rassismus oder Diskriminierung und erhofft sich mehr Widerständigkeit der Vereine.

Das Sportheim des TSV Polling in Oberbayern. Drinnen in der Sportgaststätte findet eine Wahlkampfveranstaltung der AfD statt – der Sportverein hat dazu offenbar sein Ok gegeben. Draußen protestieren dagegen rund 130 Menschen. Für sie passen die Werte des Sports und die AfD nicht zusammen.

AfD nutzt Sportvereine, um neue Anhänger zu erreichen

Konkrete Zahlen zur AfD-Präsenz in Sportvereinen gibt es nicht. Der TSV Polling ist aber nicht der einzige Sportverein, in dem die AfD Veranstaltungen abhält. Und auch Ämter innerhalb der Vereine versuchen AfD-Mitglieder scheinbar vermehrt zu besetzen. Offensichtlich werden also Vereinsstrukturen mit politischen Motiven genutzt, um an die Menschen heranzukommen, vor allem im ländlichen Raum.

"Unser erklärtes Ziel ist es, auch außerhalb des Wahlkampfes beim Bürger Flagge zu zeigen. Nicht nur in Sportvereinen, überall – in die breite Präsenz. Auch im ländlichen Raum dringen wir selbstverständlich vor."
Martin Hess, AfD-Bundestagsabgeordneter

Im TSV Polling haben Mitglieder Konsequenzen gezogen. Ihre Familie ist ausgetreten, erzählt eine Protestierende, "weil wir angefangen haben, uns unwohl zu fühlen mit dieser Nicht-Positionierung, mit dem Schweigen, mit dieser Nicht-Abgrenzung gegen eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei". Ihre Familie wolle ein Signal setzen und einen Sportverein, der sich nicht klar positioniert, nicht mit Geld unterstützen.

Sportdachverband positioniert sich klar

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und dessen Jugendorganisation, die Deutsche Sportjugend (DSJ), beobachten diese Entwicklung. Beide haben sich erst im Mai erneut klar positioniert: "gegen Extremismus, völkische Nationalismen, Geschichtsrevisionismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung".

"Das können wir als Sport nicht dulden und wir wenden uns extrem dagegen."
Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Solche Positionen können im Sport nicht geduldet werden, sagt DOSB-Präsident Thomas Weikert. Und zwar grundsätzlich – also auch, aber nicht nur im Zusammenhang mit der AfD.

DOSB: Vereine müssen nicht gesellschaftspolitisch neutral sein

Die Botschaft des DOSB an seine Vereine ist eindeutig: Sportvereine sind gemeinnützige Organisationen. Und damit müssen sie zwar parteipolitisch neutral sein, nicht aber gesellschaftspolitisch.

Nina Reib, die Referentin für Demokratieförderung beim DOSB und der Deutschen Sportjugend, betont, dass die Verbände nicht erwarten, dass jeder Verein sich positioniert. Aber sie erhoffen sich und rufen auch dazu auf, dass Vereine sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen und etwa Satzungen verabschieden, die Widerstand gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit und mehr ermöglichen.

"Was wir uns erhoffen, ist, dass Vereine sich widerständig machen."
Nina Reib, Referentin für Demokratieförderung beim DOSB und der DSJ

Widerstand, den gibt es etwa beim Verein Eintracht Falkenheim in Nürnberg. Hier hat man sich auf eine rote Linie verständigt, erklärt der erste Vorsitzende Felix Steinbach. Rassistische oder rechtsextreme Äußerungen würden nicht akzeptiert.

"Wenn sich ein Mitglied wirklich offen rassistisch-rechtsextrem äußert, gehen wir auf diese Mitglieder zu und sagen: Für so etwas ist bei uns im Verein kein Platz, du bist hier nicht mehr erwünscht."
Felix Steinbach, Erster Vorsitzender der Eintracht Falkenheim in Nürnberg

Aber: Mit Vereinsmitgliedern, die mit der AfD sympathisieren, versuche man, im Gespräch zu bleiben. Es gebe Diskussionen, etwa in der Kabine, und zwar oft. "Und da geht man meistens tatsächlich raus und denkt sich: Ich glaube, den habe ich heute erreicht", erzählt er.

Das klappe woanders nicht. Für Felix Steinbach sind Sportvereine so etwas wie der letzte Kitt des gesellschaftlichen Zusammenhalts – und der müsse unbedingt erhalten bleiben.

Shownotes
Wahlkampf im Vereinsheim
Wie die AfD den Sport nutzt – und was Vereine dagegen tun
vom 10. September 2026
Moderation: 
Christoph Sterz
Autor: 
Sebastian Krause, Deutschlandfunk Nova